Videos machen Frauen
sichtbar
Politik und Medien in Fidschi
Margit Wolfsberger
In
Fidschi leben ca. 800.000 Menschen, darunter 44% Indo-FidschianerInnen.
In bezug auf die Medien gehört Fidschi mit drei nationalen Tageszeitungen
(in Englisch), mit Magazinen, Wochenzeitschriften (in Fidschianisch und
in Hindi), privaten Radiostationen, einem staatlichen Fernsehsender sowie
Online-Journalen und Internet-Foren zu den vielfältigsten Ländern im Pazifik.
Im Zuge der beiden gewaltsamen Regierungsstürze (1987, 2000) wurden die
Medien der Zensur unterworfen und der staatliche Einfluss besteht bis
heute. Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage in Folge der Staatskrise
vom Mai 2000 verhindert eine stärkere nationale EigentümerInnenschaft
an Medien und die Gründung neuer Medien. Es gibt keine nationale Frauenzeitschrift,
sondern nur Publikationen von einzelnen Frauengruppen.
Fernsehen wurde in Fidschi 1991 eingeführt,
bereits zuvor war allerdings Video verbreitet. 1987 gab es geschätzte
40.000 Videorecorder, die jeweils von einer ganzen Großfamilie oder Dorfgruppen
benutzt wurden. Eine Studie von 1983 belegt, dass 24% der Videos aus indischer
und 65% aus us-amerikanischer Produktion stammten. Inhaltlich dominierten
Horror- und Kriminalfilme.1 Das Fernsehen strahlt ebenfalls nur einen
geringen Teil an national produzierten Sendungen aus. Frauenthemen sind
hier stark unterrepräsentiert.
Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, dass sich NGOs mit der Produktion
von audio-visuellen Alternativprogrammen beschäftigen. Seit 1999 produziert
das von der World Association of Christian Churches (WACC) unterstützte
Community Television (CTV) lokales Fernsehen mit Fokus auf Erziehung und
Bildung. 2001 wurden von CTV zwei Dokumentationen zu Frauenthemen (zu
Brustkrebs und Familienfragen) produziert. Die Young Women's Christian
Association (YWCA) ist bereits seit Anfang der 1990er Jahre in der Förderung
von Frauen im Medienbereich auf lokaler Ebene aktiv. Der Fokus dieser
Organisation liegt allerdings stärker auf Printmedien, Radio und "alternativen"
Medien, wie Drama, Comics, Plakaten, Treffen etc.2
Seit Mitte der 1990er Jahre ist Fidschi ans
Internet angeschlossen. In den größeren Städten stehen Internet-Cafes
zur Verfügung, die Verbreitung ist jedoch vor allem am Land noch sehr
marginal. Daher setzen NGOs diese neuen Medien vor allem für die internationale
Vernetzung ein. Nichtsdestotrotz wird die Schaffung von lokalen Telezentren
mit Zugangsmöglichkeiten zu elektronischen Medien für alle gefordert.3
Another Man-made, National Disaster
Die politischen Krisen 1987 und 2000 brachten
für alle in Fidschi tätigen NGOs Verschlechterungen. Während des Coups
im Mai 2000 waren alle Versammlungen außerhalb von kirchlichen Gruppen
verboten und bis heute sind Demonstrationen nicht zugelassen. Auch Frauenorganisationen
gerieten in eine problematische Lage, wie Imrana Jalal, eine der Pionierinnen
der fidschianischen feministischen Bewegung, anhand der Entwicklung des
Fiji Women's Rights Movement (FWRM), ausführt. Die Machtübernahme durch
nationalistisch gesinnte Kräfte spaltete auch das FWRM, eine multiethnische,
nichtkonfessionell gebundene, feministische Gruppe, entlang der ethnischen
Zugehörigkeit. Schließlich fand die Gruppe zu einer gemeinsamen Position,
die die Unterschiedlichkeit von Frauen anerkennt, aber gleichzeitig die
gemeinsamen Ziele, die das kollektive Vorgehen ermöglichen und notwendig
machen, hervorhebt. Obwohl die Verfassung von 1997 mittlerweile wieder
in Kraft ist, fällt die Rückkehr zur Normalität schwer. Frauenanliegen,
wie etwa die Reformierung des - noch aus der englischen Kolonialzeit stammenden
- Familienrechts waren vor dem Mai 2000 bereits in der Prüfungsphase durch
das Parlament. Der Coup verhinderte die Umsetzung der Gesetzesvorlage,
die eine Beseitigung der im Familienrecht bestehenden Benachteiligungen
von Frauen vorsah, und nun ist sie im Zuge des nationalen Backlash wieder
in Frage gestellt. Frauenrechtsaktivistinnen wie Imrana Jalal sehen daher
im Kampf für Demokratie eine der wichtigsten Aufgaben für feministische
Anliegen, da ihrer Erfahrung zufolge nur dadurch auch die Stellung der
Frau verbessert werden kann.4
An diesem Punkt der Entwicklung von Medien, Frauenorganisationen und Medieninitiativen
für Frauen in Fidschi ist eine 2000 gegründete Initiative als Schnittstelle
zu sehen: fem'LINKpacific - Media Initiatives for Women.
Born Out of a Conflict
Sharon Bhagwan Rolls, die Koordinatorin von
fem'LINKpacific und Sekretärin des National Council of Women Fiji (NCWF),
machte während des Coups die Erfahrung, dass gerade internationale Medien
stärker als lokale die Meldungen des NCWF beachteten und an der Perspektive
der Frauen in dieser Krise interessiert waren. Es entstand daher eine
Medieninitiative, die einerseits Frauen in politischen Entscheidungsprozessen
und den Versöhnungsprogrammen eine Stimme geben möchte und die andererseits
regelmäßig via Internet die internationale Öffentlichkeit über die Anliegen
von Frauen in Fidschi informiert. Für fem'LINKpacific ist es offensichtlich,
dass Massenmedien und neue Informationstechnologien einen wichtigen Beitrag
zur nationalen Aussöhnung leisten können und müssen. Über den Beitrag
von Frauen wird in Massenmedien entweder nicht berichtet oder die Teilnahme
von Frauen wird insgesamt nicht für wichtig erachtet.
fem'LINKpacific ist daher vor allem in der Erforschung, Entwicklung, Produktion
und Verteilung von an der Gemeinschaft orientierten und an sie gerichteten
Medieninitiativen aktiv. Ein monatlicher Newsletter zu Frauenfragen und
Politik in Fidschi wird via E-mail national und international versendet.
Die Mitglieder mischen sich sehr intensiv in das lokale und nationale
Geschehen ein und geben bei entsprechenden politischen oder legislativen
Anlässen öffentliche Stellungnahmen ab. Seit Ende letzten Jahres wird
zudem ein Magazin produziert. Die wichtigste und sicher auch innovativste
Initiative von fem'LINKpacific ist aber ohne Zweifel die Produktion von
Videos mit Frauen, deren Positionen dadurch in einer attraktiven Form
sicht- und vermittelbar gemacht werden.
Her-story
Ein kleines Videoteam interviewt Frauen aus
verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Klassen, Generationen und Regionen
zu einem Generalthema und montiert die Aussagen, so dass ersichtlich wird,
welche Erfahrungen die Frauen bei allen Unterschieden jeweils teilen.
Es sind dies Scham und Enttäuschung über die politischen Krisen (Keeping
Watch), die Sorge um die Zukunft des Landes und die Existenz der Kinder
(Mothers in Dialogue), die Wiederherstellung der Demokratie und normaler
Lebensumstände (Postcards for Peace), die Bekämpfung der Armut (Not Just
Sweet Talk) etc. Daneben gibt es noch eine "Day in the Life"-Video-Serie,
die das Alltagsleben von "everyday women" dokumentiert. Die Frauen betrachten
die Videos mit einer Anleitung zur Rezeption und die anschließenden Diskussionen
fanden nur im Rahmen einer Gruppe statt. Die jüngste Produktion, "The
Women's Civil Society - Balancing the Scales", dokumentiert anhand von
Porträts von Frauenaktivistinnen die fidschianische Frauenbewegung und
wendet sich damit speziell an Jugendliche, um ihnen "her-story" zu vermitteln.
Allen Produkten von fem'LINKpacific ist gemeinsam, dass sie die Vision
eines friedlichen Zusammenlebens und einer Verbesserung der Lebensbedingungen
für alle Menschen in Fidschi teilen und vermitteln. Dass der Weg dorthin
nur über die Gleichstellung von Frauen und ihre Einbeziehung in politische
Entscheidungsprozesse führt, ist fixer Bestandteil der Video-Botschaften.
Anmerkungen:
1 Pamela Thomas: Mass Media - Mass Dependency. Pacific Islands Communication
Journal Vol. 15, Nr. 1(1987).
2 The World YWCA Pacific Area Office (Ed.): Tok Blong ol Meri. Women Using
Alternative Media (1991).
3 Sharon Bhagwan Rolls: The Impact of New Information Communication Technology
on the Media: A Community Media Perspective from the Pacific Island Region.
Paper presented at the UNDAW Expert Group Meeting in Beirut/Lebanon, November
2002.
4 Imrana Jalal: Gender Issues in post coup d'etat Fiji. Paper presented
at the Townsville International Women's Conference - Australia, James
Cook University, Juli 2002. http://www.austdvclearinghouse.unsw.edu.au/
Zur Autorin:
Margit Wolfsberger ist Publizistin und Ethnologin mit dem Forschungsschwerpunkt
Südpazifik und Mitglied der ÖSPG (Österreichisch-Südpazifische Gesellschaft).
Kontakt: fem'LINKpacific: Media Initiatives for Women, e-mail: femlinkpac@is.com.fj
In: Frauensolidarität 83(1/2003) S.12f.
(zum Seitenanfang)
(zurück zu Zeitschrift)
© http://www.frauensolidaritaet.org
|