Feministische Theologie

Text & Zusammenstellung: Irmgard C. Klein

Asiatische Frauentheologie (christl.)
Theologie afrikanischer Frauen (christl.)
Lateinamerikanische Feministische Theologie (christl.)
Womanist Theology
New Paganism
Koranauslegung aus weiblich-theologischer Sicht

Feministische Theologie

Thema

Feministische Theologie, kann es so etwas überhaupt geben?
Viele Feministinnen sagen nein, wenn Gott oder Religöses noch im Spiel ist, dann sind Frauen nicht wirklich frei und eigenständig. Viele traditionelle Theologen
(und -innen) meinen auch nein. Denn wenn es sich um Feminismus und damit ganz zentral um Frauen dreht, dann ist keine Rede mehr von Theo-logie (griech. Gott-Rede). Frauen, die Feministische Theologie treiben, sehen beides: Religion kann ein Gefängnis oder aber ein BefreiungsRaum für Frauen sein.

Was sind Merkmale Feministischer Theologie?

  • Es handelt sich im weitesten Sinne um eine Beschäftigung mit Gott/Göttin/Religiösem unter dem besonderen Blickwinkel von Frauen. Mit Sehnsucht und Spannungen im Herzen, mit einem Blick für die Unterdrückungssituationen und die Widersprüche auf der Welt, im Vertrauen auf die eigene Macht und Kraft und auf der Suche oder mit der Frage nach dem Sinn des Lebens bearbeiten manche Feministische Theologien ihre jeweilige Heilige Schrift bzw. religiöse Tradition (z.B. Christliche Feministische Theologie, Koranauslegung aus weiblich-theologischer Sicht, feministischer westlicher Buddhismus), andere schürfen in alten keltischen/heidnischen oder gestalten neue Religionen (z.B. Göttinnenbewegung, Postchristliche feministische Spiritualität, Wicca/Hexenglaube und -praxis, New Paganism). Viele wandern als Vagabundinnen und Reiselustige zwischen dem einen und anderen Pol hin und her.
  • Impulsgeberin ist – auf welche Weise auch immer - die Frauenbewegung. Die Neue, die Alte, die verschiedenen Strömungen, Frauenrechtsbewegung, Gleichheits- und Differenzfeminismus, Womanism ... Kurz: die ganze bunte Palette rund um erwachtes, eigenständiges, kämpferisches, kritisches Frauenbewusstsein.
  • Oft gibt es eine ökumenische, das meint verschiedene Kirchen umfassende, manchmal eine interreligiöse, d.h. verschiedene Religionen umfassende Diskussion und Arbeit.

Im Folgenden eine kleine Auswahl Feministischer Theologien.

Übrigens: die zu den einzelnen Stichworten angegebene Literatur (und noch viel mehr) ist in der Bibliothek der Frauensolidarität verfügbar.

Links für Feministische Theologie (christl.)

Schlangenbrut - Streitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen: www.schlangenbrut.de

Europäische Gesellschaft für Theologische Forschung von Frauen: www.eswtr.org

Die US-amerikanische Seite für feministisch theologisch Interessierte: W.A.T.E.R. (Women's Alliance for Theology, Ethics, & Ritual) zu finden unter: www.hers.com/water

EATWOT (ECUMENICAL ASSOCIATION OF THIRD WORLD THEOLOGIANS) hat momentan noch keine auffindbare Homepage, aber dafür eine Kontakt-email-Adresse: eatwot@ssc.edu.ph

 

Asiatische Frauentheologie

Asiatische Frauentheologie (christlich) meint die Gott-Praxis (d.h. den gelebten Glauben) von Frauen in Asien, die sich der Unterdrückung durch die religiösen Traditionen (Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Konfuzianismus, Islam und Christentum) und den westlichen (Neo)Kolonialismus politisch wie wirtschaftlich bewusst geworden sind. Weder „Erste-Welt“-Frauen noch „Dritte-Welt“-Theologen sollen die Ziele und Methoden ihres Befreiungskampfes bestimmen.

Wichtige Kennzeichen:

  • „Dritte-Welt“-bezogen: Militärregimes, Diktaturen, ausbeuterische Wirtschaftsordnungen, westliche Bevormundung, Armut neben Reichtum prägen den Kontext asiatischer Frauentheologien.
  • Asien-bezogen: Asien ist ein nicht-christlicher Kontinent. Es ist der Geburtsort vieler großer Weltreligionen und des Großteils ihrer Mitglieder. Die Gesprächspartnerinnen für asiatische Frauentheologinnen sind also mehrheitlich Frauen anderer religiöser Traditionen. Begegnung erfolgt im miteinander geteilten Leben. Asiatische Frauentheologien entwickeln eine Spiritualität der Selbstbejahung, Ermächtigung und inneren Befreiung und integrieren dabei Zen-Meditation, Shibashi oder Chi-gong.
  • Frauen-bezogen: Schon vor der Geburt bis zum Tod müssen asiatische Frauen mit den Todeswünschen der patriarchalen Gesellschaft leben. Nur die Empfängnis von Söhnen ist eine Ehre. Mädchengeburten wertet man als große Enttäuschung bzw. sie werden durch Schwangerschaftsabbruch bzw. Tötung des Neugeborenen verhindert. Ein Leben lang haben Mädchen/Frauen generell schlechtere Chancen als Buben/Männer. Dies ist zugleich Thema und konstituierende Bedingung, unter welcher Asiatische Frauentheologie entsteht.

Literatur

Strahm, Doris: „Vom Kampf, wieder die Sonne zu sein“ - Christologie von Frauen im asiatischen Kontext. IN: dies.: Vom Rand in die Mitte. Christologie aus der Sicht von Frauen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Edition Exodus. Luzern 1997. S. 57-150. SIG: I A 976
In God's Image. Journal of Asian Women's Resource Centre for Culture and Theology. Kuala Lumpur/ Malaysia. Seit 1997. SIG: Z E 22
Prasanna Kumari (ed.): A Reader in Feminist Theology. [Women's Studies Series 2] Gurukul Publications. Madras 21997. SIG: I E 519/II

Links

Einen Überblick über die Publikationen asiatischer Theologinnen und Feministinnen gibt St. Scholastica's College Research and Publications Program mit Sitz in Manila www.spinifexpress.com.au

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Theologie afrikanischer Frauen

Afrikanische Theologinnen sind seit 1980, als bei einer Konferenz vieler afrikanischer Kirchen in Ibadan (Nigeria) der Beitrag der Frauen diskutiert wurde, auf der Suche nach einer Two Winged Theology, einer Zwei-Flügel-Theologie, die nicht „einflügelig“ wie das aus Europa oder Amerika importierte Denken über Gott oder die einseitigen, Frauenthemen völlig ausklammernden, afrikanischen Theologien ist.

Ausgehend von einer ganzheitlichen afrikanischen Weltsicht, in der Spirituelles und Materielles, Heiliges und Profanes, Individuelles und Leben-in-Gemeinschaft mit den gegenwärtig Lebenden und AhnInnen ineinander untrennbar verwoben sind, versuchen afrikanische Theologinnen die Schätze der Weisheit ihrer Mütter ans Licht zu bringen.

Wichtig dabei ist eine kritische Auseinandersetzung mit jenen mündlichen Traditionen (Sprichwörtern, Legenden und Mythen) und den religiösen, kulturellen Ritualen (Pubertätsriten, Trauerriten), die ebenso wie das Christentum patriarchale Gesellschaftsordnungen widerspiegeln und verfestigen.

Literatur

Strahm, Doris: „Töchter Afrikas, steht auf!“ - Christologie von Frauen im afrikanischen Kontext. IN: dies.: Vom Rand in die Mitte. Christologie aus der Sicht von Frauen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Edition Exodus. Luzern 1997. S. 151-269. SIG: I A 976
Oduyoye, Mery Amba/Kanyoro, Musimbi R.A. (eds.): The Will To Arise. Women, Tradition, and the Church in Africa. Orbis Books. Maryknoll/New York 1992. SIG: I C 161

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Lateinamerikanische Befreiungstheologie
aus Frauenperspektive

Als sich in den 70er Jahren viele Frauen in den revolutionären Kämpfen der Basisgemeinden, Menschenrechtsorganisationen und Widerstandsbewegungen gegen die Militärregimes und für eine Verbesserung der sozialen und politischen Situation in Lateinamerika einsetzten, begann sich auch eine Lateinamerikanische Befreiungstheologie aus der Perspektive von Frauen zu entwickeln.

Die Methode der Befreiungstheologie (Sehen - Urteilen - Handeln) wurde beibehalten, die „Option für die Armen“ zu einer Parteinahme für und mit den Frauen umformuliert, und seither entwickelte sich ein breites Spektrum eigenständiger, neuerer Ansätze, z.B. die Teología Indecente (Indecent Theology/Unanständige Theologie) der Argentinierin Marcella María Althaus-Reid, welche den Ausgangspunkt für ihre Reflexionen in der Queer Theory hat.

Literatur

Conspirando. Revista Latinoamericana de Ecofeminismo, Espiritualidad y Teología. Chile. SIG: Z F 58
Helmke, Julia: Die Schmetterlinge fliegen wieder. Bericht von der lateinamerikanischen Frauenkonferenz in Chile. IN: Schlangenbrut Nr. 71, 18. Jg. 2000. S. 37f. SIG: ZG 24
Tamez, Elsa (ed): Through Her Eyes. Women's Theology from Latin America. Orbis Books. Maryknoll/New York 21989. SIG: I F 278
Aquino, María Pilar: Our Cry for Life. Feminist Theology from Latin America. Orbis Books. Maryknoll/New York.1993. SIG: I F 279
Unverschämt lebendig - lateinamerikanische Befreiungstheologie: Thema der Schlangenbrut Nr. 75, 19. Jg. 2001. SIG: Z G 24
Althaus-Reid, Marcella María: Teología sexual. Levantarle la falda a Dios. IN: Conspirando. Revista Latinoamericana de Ecofeminismo, Espiritualidad y Teología. Nr. 39. Marzo 2002. Chile. S. 38-42. SIG: Z F 58

Links

Eine spanische Einführung in die Teología Feminista Latinoamericana bietet www.fempress.cl

Con-spirando, Revista Latinoamericana de Ecofeminismo, Espiritualidad y Teología (Chile) http://www.conspirando.cl (derzeit nicht zugänglich)
E-mail: conspira@bellsouth.cl

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Womanist Theology

Womanist Theology ist „eine Theologie, die Schwarzen Frauen passt“: Sie steht der Bewegung des Womanism nahe und grenzt sich mitunter zur weißen Mittelklasse-Frauenbewegung hin ab. Das Wort leitet sich von einer Redewendug aus der Schwarzen Umgangssprache her „don't be so womanish“, die so viel bedeutet wie „sei nicht so altklug“. Diese wurde positiv aufgegriffen und zur Eigenbezeichnung gemacht. Womanist Theologies stellen die Erfahrungen Schwarzer Frauen in den Mittelpunkt ihrer Reflexionen und Aktionen. Sie erkennen die christlichen und anderen religiösen Wurzeln, nämlich die alten Traditionen der verschleppten SklavInnen, zur Deutung dieser Erfahrung an. Diese Theologien kämpfen für ein Überleben der ganzen Schwarzen Gemeinschaft gegen die mehrdimensionale Unterdrückung (Ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, Klasse).

Literatur

Williams, Delores: „Eine Theologie, die Schwarzen Frauen passt“. IN: Schlangenbrut Nr. 63, 16. Jg. 1998. S. 5-10. SIG: ZG 24
Hazel, Doreen: We're walking on the right road. IN: Schlangenbrut Nr. 63, 16. Jg. 1998. S. 17-20. SIG: ZG 24
Bibliografie zu Womanist Theology. IN: Schlangenbrut Nr. 63, 16. Jg. 1998. S. 39-41. SIG: ZG 24

Links

Eine (schon ältere) Homepage der niederländischen Gruppe womanistischer Theologinnen: http://home.planet.nl/~sheba/

Englische Einführung in Womanist Theology in the US: www.crosscurrents.org

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New Paganism
Postchristliche Feministische Theologie/Göttinnenbewegung/ Wiccaglaube und -praxis

New Paganism (lat: pagan: am Lande lebend; wieder positiv aufgegriffen und interpretiert als naturverbunden, erdnah): Unter diesem Stichwort sind unterschiedlichste Formen Feministischer Thealogie (Thea nicht Theos! Denn schon im Wort sitzt die patriarchale Einseitigkeit) und Spiritualität versammelt.

Einige Gemeinsamkeiten lassen sich aber doch feststellen:

  • Post christliche Feministische Theologie „jenseits von Gottvater und Co“ (Mary Daly) oder auch Theasophie (= griech. Weisheit von/über/der Göttin), die Göttinnenbewegung (Wiederbelebung alter Göttinnenkulte, vor allem Ashera), der Wiccaglaube (Hexenglaube und -praxis) und andere neuheidnische Strömungen wollen sich in ihrer religiösen Suche und Lebensweise nicht mehr auf christliche Traditionen oder auf religiöse Überlieferungen anderer Weltreligionen beziehen und in ihnen frauenbefreiende und -fördernde Elemente herausarbeiten.
  • Diese Feministinnen forschen und glauben und leben (und erschaffen sich zum Teil) eine Spiritualität, die das Göttliche im Weiblichen repräsentiert sieht, Natur und Kosmos als göttliche Manifestationen begreift und respektiert und in neuen Ritualformen und Gruppen gefeiert und praktiziert wird.

Literatur

Gummel, Gabriele: Priesterin-Sein in der Göttin-Religion. Interview mit Starhawk. IN: Schlangenbrut Nr. 48, 13. Jg.1995. S. 34-38. SIG: ZG 24
Göttin - kein abgeschlossenes Kapitel. Thema der Schlangenbrut Nr. 44, 12. Jg.1994. SIG: ZG 24

Links

Die Schweizer Seite der New Pagans: http://www.rauchzeichen.ch/

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Koranauslegung aus weiblich theologischer Sicht

Insofern unter Feministischer Theologie auch die Frauenbewegung innerhalb der Religionen verstanden werden kann, lässt sich die von islamischen Frauen betriebene Forschung im Koran auch als eine Feministische Theologie beschreiben. Muslima wie z.B. im Zentrum für islamische Frauenforschung und Frauenförderung in Köln beziehen dabei sowohl geschlechtsspezifische Kriterien als auch islamischen Glauben und Tradition als zentrale Faktoren mit ein.

Sie beschäftigen sich mit der Frage nach einem angemessenen Verstehen des Koran und finden Leitlinien dafür in ihrer Heiligen Schrift selbst. Sie wehren sich gegen ein einseitiges Auslegungsprivileg von Männern, plädieren für eine vielfältige Deutung des Textsinnes, erkennen im Koran die Parteinahme Gottes für die Frauen, protestieren gegen eine einseitige, patriarchale Anwendung koranischer Normen und finden in der Verkündigungs- und Wirkungsgeschichte des Islam wiederzuentdeckende mutige Frauengestalten.

Literatur

Bibliografie. IN: Schlangenbrut Nr. 77, 20. Jg.2002. S. 30f. SIG: ZG 24
Satelliten und Moschee. Interview mit Fatema Mernissi über Koran und Politik. IN: Schlangenbrut Nr. 74, 19. Jg.2001. S.37-39. SIG: ZG 24
Vielfältiges Verstehen. Hermeneutik im Islam aus weiblich theologischer Sicht. IN: Schlangenbrut. Nr. 77, 20. Jg.2002. S. 13-16. SIG: ZG 24
„All or not at all“ - ist das wirklich eine Frage? Die frauenzentrierte Beratungspraxis des Zentrums für islamische Frauenforschung und Frauenförderung. IN: Schlangenbrut. Nr. 77, 20. Jg.2002. S. 17-19. SIG: ZG 24
Ammah, Rabiatu: Paradise Lies at the Feet of Muslim Women. IN: Oduyoye, Mercy Amba/ Kanyoro, Musimbi R. A. (eds.): The Will to Arise. Women, Tradition, and the Church in Africa. Orbis Books. Maryknoll/New York 1992. S. 74-84.
Ausführlichere Linkliste: Röckemann, Antje: Islamische Frauen vernetzt. IN: Schlangenbrut Nr. 77, 20. Jg.2002. S. 29. SIG: ZG 24

Links

Das Netzwerk für Muslima in Deutschland: www.huda.de

Halima Krausen, Leiterin des Islamischen Zentrum Hamburg hat eine sehr interessante englisch/deutsche Homepage mit Koranlektionen. http://geocities.com/Athens/Thebes/8206/hkrausen/halhome.htm

ZIF: Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung in Köln arbeitet eng zusammen mit www.ipd-koeln.de, wo es Materialien zu kindgerechtem Islamunterricht gibt.

Eine Seite aus den USA: Muslim Women's League: www.mwlusa.org

Englisch und französischsprachige Seite, die vor allem über kulturelle Aspekte und Rechtsangelegenheiten handelt und informiert: Women Living Under Muslim Laws/Femmes Sous Lois Musulmanes; zu finden unter www.wluml.org

Schlagwortkatalog
Das ökonomische Projekt zur Literatursuche zum Themenbereich feministischen Theologie, Ruhr Univ. Bochum
www.ruhr-uni-bochum.de/femtheol

 

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