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Thema
Spätestens seit der Studie von Ester BOSERUP (erstmals
1970 erschienen) ist hinlänglich bekannt, welche wichtige Rolle Frauen
in der Landwirtschaft spielen. Besonders Afrika bezeichnet Boserup als
Region der weiblichen Landwirtschaft par excellence (S.13).
Die Bäuerinnen erzeugen rund 80% der Nahrung, die auf Haushaltsebene konsumiert
wird (EvB 1998, S.5). Aber auch auf anderen Kontinenten ist der Anteil
der Frauen an der landwirtschaftlichen Produktion beachtlich.
Meist handelt es sich dabei um Subsistenzproduktion,
also Produktion für den unmittelbaren, alltäglichen Lebensgebrauch. Frauen
sind vor allem in weiten Teilen Afrikas für die Ernährung der Familie
verantwortlich, d.h. sie bestellen ihre Felder, um Nahrung für ihre Kinder
zu beschaffen. Gleichzeitig obliegt ihnen auch die Sorge um die Kinder,
die Haushaltsführung und die Betreuung von alten oder kranken Familienmitgliedern.
Weiters übernehmen sie Aufgaben zum Wohle der (Dorf-)Gemeinschaft. Diese
dreifache Rolle der Frau in Produktion, Reproduktion und Gemeinschaftsarbeit
stellt eine große Belastung dar, besonders da die Haushaltsführung zeitaufwendige
und anstrengende Aufgaben wie das Wasser- und Feuerholzholen beinhaltet.
Erschwert werden diese Tätigkeiten durch die zumeist
patriarchalen Herrschaftsverhältnisse, die den Zugang zu Ressourcen bestimmen
und regeln. So wird z.B. die Arbeit der Bäuerinnen durch die komplizierten
Landrechte konterkariert. Oft ist es sehr schwierig für Frauen, Land zu
erwerben. Nutzungsrechte an Land erhalten sie meist nur über männliche
Verwandte (Väter, Ehemänner, Söhne), wodurch sich ihre Abhängigkeit verstärkt.
Der Zugang zu neuen Technologien und Informationen kann an den Besitz
von Land gekoppelt sein ein weiterer Ausschließungsmechanismus
für Frauen.
Mit der Einführung der Geldökonomie ist es unerlässlich
geworden, ein Einkommen zu erwirtschaften. Im Zuge der Strukturanpassungsprogramme
wurden vormals öffentliche und freie Dienstleistungen wie Bildung und
Gesundheitsversorgung gebührenpflichtig. Damit verstärkt sich der Druck
auf die Frauen, Bargeld aufzutreiben. Der häufigste Weg stellt eine Ausweitung
der landwirtschaftlichen Tätigkeit dar, um gewonnene Überschussprodukte
auf dem Markt zu verkaufen. Oftmals werden auch Nahrungsmittel verarbeitet
und als Snacks zum Verkauf angeboten. Sehr viele dieser weiblichen Initiativen
zur Einkommensbeschaffung stehen in irgendeiner Art mit der Tätigkeit
als Bäuerin in Verbindung. Der Aktionsradius ist meist lokal beschränkt.
Die Produktion für den größeren nationalen oder internationalen Markt
wird zumeist noch als männlicher Bereich gesehen, in den die Frauen zwar
ihre Arbeitskraft einbringen dürfen, jedoch kein Mitspracherecht
bei der Verwendung des Einkommens haben.
Wichtige Begriffe
Welttag der Landfrauen: Die Women's World Summit
Foundation (WWSF) beschloss 1995 (4. Weltfrauenkonferenz in Peking), den
15. Oktober zum Welttag der Landfrauen zu erklären.
www.woman.ch
TRIPS: Trade-related Aspects of Intellectual
Property Rights; Handelsbezogene Aspekte der Rechte auf Geistigen Eigentum;
wurde gleichzeitig mit GATT (1995) wirksam; betrifft alle Erfindung im
weitesten Sinn.
Uruguy-Runde: Verhandlungen im GATT-Prozess 1986-1994, zentrales
Thema war Liberalisierung des Agrarbereichs; mündete in Gründung der WTO.
Subsistenzproduktion: Lebensproduktion; Produktion für den unmittelbaren,
eigenen Gebrauch.
Ernährungssicherung: bedeutet nach der FAO-Definition, dass alle
Menschen zu jeder Zeit ungehinderten physischen, sozialen und ökonomischen
Zugang zu ausreichender und ausgewogener Ernährung haben, um ein aktives
und gesundes Leben zu führen.
LandarbeiterInnen: meist Bäuerinnen und Bauern, die für Geld und
andere Waren auf den Betrieben anderer Bauern (nicht nur auf Plantagen)
arbeiten.
Städtische Landwirtschaft: Landwirtschaft in urbanen Randgebieten,
aber auch auf freien Flächen in den Zentren, auf Dächern, in Hinterhöfen
etc.; trägt in Ländern des Südens oft zu einem erheblichen Ausmaß zur
Versorgung der städtischen Bevölkerung bei.
Cash Crops: landwirtschaftliche Produkte, die für den Verkauf auf
dem nationalen oder internationalen Markt bestimmt sind; kein oder geringer
Eigenkonsum durch die ProduzentInnen.
Empfohlene Literatur
BOSERUP, Ester 1982: Die ökonomische Rolle der Frau
in Afrika, Asien, Lateinamerika. edition cordeliers, Stuttgart. SIG: I
A 9
ERKLÄRUNG VON BERN 1998: Frauen ernähren die Welt. Beilage zum EvB-Magazin
4/98. SIG: I A 1355
BENNHOLDT-THOMSEN, Veronika, Maria MIES und Claudia von WERLHOF 1992:
Frauen, die letzte Kolonie. Zur Hausfrauisierung der Arbeit. Rotpunktverlag,
Zürich. SIG: I A 42
ROTT, Renate (Hgin) 1992: Entwicklungsprozesse und Geschlechterverhätnisse.
Über die Arbeits- und Lebensräume von Frauen in Ländern der Dritten Welt.
Verlag Breitenbach Publishers, Saarbrücken und Fort Lauderdale. SIG: I
A 40
DE BRUIJIN, Mirjam, Ineke van HALSEMA und Heleen van den HOMBERGH (Hginnen)
1997: Gender and Land Use. Diversity in Environmental Practices. Thela
Publishers, Amsterdam. SIG: I A 1380
FRAUENSOLIDARITÄT 2/2001 Nr. 76 Schwerpunkt Landwirtschaft. SIG: Z A 30
IMAM, Ayesha, Amina MAMA und Fatou SOW (Hginnen) 1997: Engendering African
Social Sciences. Council for the Development of Economic and Social Research
in Africa (CODESIRA), Dakar. SIG: I C 430
TEHERANI-KRÖNNER, Parto, Uta HOFFMANN-ALTMANN und Ulrike SCHULTZ 1999:
Frauen und nachhaltige ländliche Entwicklung. III. Internationaler Workshop
Women in Rural Development. Centaurus Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler.
SIG: I A 1663
GENDER AND DEVELOPMENT 1999. An Oxfam Journal. Schwerpunkt: Women, Land
and Agriculture. Vol. 7, No. 3, Nov. 1999. Oxford. SIG: R 2 (3/1999)
HALE, Angela (Hgin) 1998: Trade Myths and Gender Reality. Trade Liberalisation
and Women's Lives. Global Publications Foundation and International Coalition
for Development Action, Uppsala. SIG: I A 1299
FRAUENSOLIDARITÄT 1998: Frauen in der Landwirtschaft Schwerpunkt: Afrika,
Asien und Lateinamerika. Wien. SIG: II A 1542
WICHTERICH, Christa 1998: Die globalisierte Frau. Berichte aus der Zukunft
der Ungleichheit. Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg. SIG: I A 1291
BAKKER, Nico, Marielle DUBBELING, Sabine GÜNDEL, Ulrich SABEL-KOSCHELLA
und Henk DE ZEEUW (Hginnen) 2000: Growing Cities, Growing Food. Urban
Agriculture on the Policy Agenda. Deutsche Stiftung für internationale
Entwicklung (DSE) und Zentralstelle für Ernährung und Landwirtschaft (ZEL),
Feldafing. SIG: I A 1697
WOMEN AND DEVELOPMENT Discussion Paper: New Trade Union Perspectives.
Organising Women Workers in the agricultural sector, export processing
zones and informal economy. Amsterdam.
Die angegebene Literatur
ist in der Bibliothek der Frauensolidarität verfügbar.
Interessante Links
www.woman.ch
Women's World Summit Foundation WWSF: organisiert den Welttag der Landfrauen
(15. Oktober)
www.wougnet.org/Events/iarw.html
Information Access for Rural Women, 3.-21.6.2002 (online conference)
www.landfrauen.at
Netzwerk für Frauen auf dem Land
www.vshiva.net Research
Foundation for Science, Technology and Ecology
www.bergbauern.org
Österreichische Bergbauern- und Bergbäuerinnenvereinigung
www.fao.org Food and
Agriculture Organization of the United Nations (FAO)
www.fao.org/sd/dimitra
Dimitra Guidebook on Rural Women and Development
www.fao.org/gender
ns.rds.org.hn/via
La Via Campesina (BäuerInnenvereinigung und Kampagne)
www.rafi.org oder www.etcgroup.org
Action Group on Erosion, Technology and Concentration, früher RAFI
www.evb.ch Erklärung
von Bern
www.fian.at Food First
Informations- und Aktionsnetzwerk für das Menschenrecht sich zu ernähren
(Österreich)
www.fian.de Fian (Deutschland)
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