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Text und Zusammenstellung: Karin Klampfer

Wussten Sie:

  • Landfrauen mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen
  • 500 Millionen in ländlichen Gebieten unterhalb der Armutsgrenze leben
  • Frauen in Afrika (Sub-Sahara) und Karibik-Ländern 50-60% der Grundnahrungsmittel produzieren; Frauen in Asien über 50% der Arbeit verrichten, die für den intensiven Reisbau notwendig ist; Frauen in Industrieländern 30% der landwirtschaftlichen Arbeit leisten
  • 60% der Frauen in einigen Teilen Afrikas Familienerhalterinnen sind
  • Frauen in Afrika außerdem 90% des Haushaltsbedarfes an Wasser und Heizmaterial beschaffen sowie 100% der Grundnahrung für ihre Familien herstellen?
  • (Quelle: Welttag der Landfrauen 2003)


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Spätestens seit der Studie von Ester BOSERUP (erstmals 1970 erschienen) ist hinlänglich bekannt, welche wichtige Rolle Frauen in der Landwirtschaft spielen. Besonders Afrika bezeichnet Boserup als „Region der weiblichen Landwirtschaft par excellence“ (S.13). Die Bäuerinnen erzeugen rund 80% der Nahrung, die auf Haushaltsebene konsumiert wird (EvB 1998, S.5). Aber auch auf anderen Kontinenten ist der Anteil der Frauen an der landwirtschaftlichen Produktion beachtlich.

Meist handelt es sich dabei um Subsistenzproduktion, also Produktion für den unmittelbaren, alltäglichen Lebensgebrauch. Frauen sind vor allem in weiten Teilen Afrikas für die Ernährung der Familie verantwortlich, d.h. sie bestellen ihre Felder, um Nahrung für ihre Kinder zu beschaffen. Gleichzeitig obliegt ihnen auch die Sorge um die Kinder, die Haushaltsführung und die Betreuung von alten oder kranken Familienmitgliedern. Weiters übernehmen sie Aufgaben zum Wohle der (Dorf-)Gemeinschaft. Diese dreifache Rolle der Frau in Produktion, Reproduktion und Gemeinschaftsarbeit stellt eine große Belastung dar, besonders da die Haushaltsführung zeitaufwendige und anstrengende Aufgaben wie das Wasser- und Feuerholzholen beinhaltet.

Erschwert werden diese Tätigkeiten durch die zumeist patriarchalen Herrschaftsverhältnisse, die den Zugang zu Ressourcen bestimmen und regeln. So wird z.B. die Arbeit der Bäuerinnen durch die komplizierten Landrechte konterkariert. Oft ist es sehr schwierig für Frauen, Land zu erwerben. Nutzungsrechte an Land erhalten sie meist nur über männliche Verwandte (Väter, Ehemänner, Söhne), wodurch sich ihre Abhängigkeit verstärkt. Der Zugang zu neuen Technologien und Informationen kann an den Besitz von Land gekoppelt sein – ein weiterer Ausschließungsmechanismus für Frauen.

Mit der Einführung der Geldökonomie ist es unerlässlich geworden, ein Einkommen zu erwirtschaften. Im Zuge der Strukturanpassungsprogramme wurden vormals öffentliche und freie Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung gebührenpflichtig. Damit verstärkt sich der Druck auf die Frauen, Bargeld aufzutreiben. Der häufigste Weg stellt eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Tätigkeit dar, um gewonnene Überschussprodukte auf dem Markt zu verkaufen. Oftmals werden auch Nahrungsmittel verarbeitet und als Snacks zum Verkauf angeboten. Sehr viele dieser weiblichen Initiativen zur Einkommensbeschaffung stehen in irgendeiner Art mit der Tätigkeit als Bäuerin in Verbindung. Der Aktionsradius ist meist lokal beschränkt. Die Produktion für den größeren nationalen oder internationalen Markt wird zumeist noch als männlicher Bereich gesehen, in den die Frauen zwar ihre Arbeitskraft einbringen „dürfen“, jedoch kein Mitspracherecht bei der Verwendung des Einkommens haben.

Wichtige Begriffe

Welttag der Landfrauen: Die Women's World Summit Foundation (WWSF) beschloss 1995 (4. Weltfrauenkonferenz in Peking), den 15. Oktober zum Welttag der Landfrauen zu erklären.
www.woman.ch

TRIPS: Trade-related Aspects of Intellectual Property Rights; Handelsbezogene Aspekte der Rechte auf Geistigen Eigentum; wurde gleichzeitig mit GATT (1995) wirksam; betrifft alle Erfindung im weitesten Sinn.
Uruguy-Runde: Verhandlungen im GATT-Prozess 1986-1994, zentrales Thema war Liberalisierung des Agrarbereichs; mündete in Gründung der WTO. Subsistenzproduktion: Lebensproduktion; Produktion für den unmittelbaren, eigenen Gebrauch.
Ernährungssicherung: bedeutet nach der FAO-Definition, dass alle Menschen zu jeder Zeit ungehinderten physischen, sozialen und ökonomischen Zugang zu ausreichender und ausgewogener Ernährung haben, um ein aktives und gesundes Leben zu führen.
LandarbeiterInnen: meist Bäuerinnen und Bauern, die für Geld und andere Waren auf den Betrieben anderer Bauern (nicht nur auf Plantagen) arbeiten.
Städtische Landwirtschaft: Landwirtschaft in urbanen Randgebieten, aber auch auf freien Flächen in den Zentren, auf Dächern, in Hinterhöfen etc.; trägt in Ländern des Südens oft zu einem erheblichen Ausmaß zur Versorgung der städtischen Bevölkerung bei.
Cash Crops: landwirtschaftliche Produkte, die für den Verkauf auf dem nationalen oder internationalen Markt bestimmt sind; kein oder geringer Eigenkonsum durch die ProduzentInnen.

Empfohlene Literatur

BOSERUP, Ester 1982: Die ökonomische Rolle der Frau in Afrika, Asien, Lateinamerika. edition cordeliers, Stuttgart. SIG: I A 9
ERKLÄRUNG VON BERN 1998: Frauen ernähren die Welt. Beilage zum EvB-Magazin 4/98. SIG: I A 1355
BENNHOLDT-THOMSEN, Veronika, Maria MIES und Claudia von WERLHOF 1992: Frauen, die letzte Kolonie. Zur Hausfrauisierung der Arbeit. Rotpunktverlag, Zürich. SIG: I A 42
ROTT, Renate (Hgin) 1992: Entwicklungsprozesse und Geschlechterverhätnisse. Über die Arbeits- und Lebensräume von Frauen in Ländern der Dritten Welt. Verlag Breitenbach Publishers, Saarbrücken und Fort Lauderdale. SIG: I A 40
DE BRUIJIN, Mirjam, Ineke van HALSEMA und Heleen van den HOMBERGH (Hginnen) 1997: Gender and Land Use. Diversity in Environmental Practices. Thela Publishers, Amsterdam. SIG: I A 1380
FRAUENSOLIDARITÄT 2/2001 Nr. 76 Schwerpunkt Landwirtschaft. SIG: Z A 30
IMAM, Ayesha, Amina MAMA und Fatou SOW (Hginnen) 1997: Engendering African Social Sciences. Council for the Development of Economic and Social Research in Africa (CODESIRA), Dakar. SIG: I C 430
TEHERANI-KRÖNNER, Parto, Uta HOFFMANN-ALTMANN und Ulrike SCHULTZ 1999: Frauen und nachhaltige ländliche Entwicklung. III. Internationaler Workshop Women in Rural Development. Centaurus Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler. SIG: I A 1663
GENDER AND DEVELOPMENT 1999. An Oxfam Journal. Schwerpunkt: Women, Land and Agriculture. Vol. 7, No. 3, Nov. 1999. Oxford. SIG: R 2 (3/1999)
HALE, Angela (Hgin) 1998: Trade Myths and Gender Reality. Trade Liberalisation and Women's Lives. Global Publications Foundation and International Coalition for Development Action, Uppsala. SIG: I A 1299
FRAUENSOLIDARITÄT 1998: Frauen in der Landwirtschaft Schwerpunkt: Afrika, Asien und Lateinamerika. Wien. SIG: II A 1542
WICHTERICH, Christa 1998: Die globalisierte Frau. Berichte aus der Zukunft der Ungleichheit. Rowohlt Verlag, Reinbeck bei Hamburg. SIG: I A 1291
BAKKER, Nico, Marielle DUBBELING, Sabine GÜNDEL, Ulrich SABEL-KOSCHELLA und Henk DE ZEEUW (Hginnen) 2000: Growing Cities, Growing Food. Urban Agriculture on the Policy Agenda. Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung (DSE) und Zentralstelle für Ernährung und Landwirtschaft (ZEL), Feldafing. SIG: I A 1697
WOMEN AND DEVELOPMENT Discussion Paper: New Trade Union Perspectives. Organising Women Workers in the agricultural sector, export processing zones and informal economy. Amsterdam.

Die angegebene Literatur ist in der Bibliothek der Frauensolidarität verfügbar.

Interessante Links

www.woman.ch Women's World Summit Foundation WWSF: organisiert den Welttag der Landfrauen (15. Oktober)
www.wougnet.org/Events/iarw.html Information Access for Rural Women, 3.-21.6.2002 (online conference)
www.landfrauen.at Netzwerk für Frauen auf dem Land
www.vshiva.net Research Foundation for Science, Technology and Ecology
www.bergbauern.org Österreichische Bergbauern- und Bergbäuerinnenvereinigung
www.fao.org Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)
www.fao.org/sd/dimitra Dimitra Guidebook on Rural Women and Development
www.fao.org/gender
ns.rds.org.hn/via La Via Campesina (BäuerInnenvereinigung und Kampagne)
www.rafi.org oder www.etcgroup.org Action Group on Erosion, Technology and Concentration, früher RAFI
www.evb.ch Erklärung von Bern
www.fian.at Food First Informations- und Aktionsnetzwerk für das Menschenrecht sich zu ernähren (Österreich)
www.fian.de Fian (Deutschland)

 

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