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Thema
Der Begriff der Globalisierung beschreibt eine
Entwicklung der zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Verflechtung
der Handels-, Kapital- und Technologieströme in der Welt.
Es wird generell angenommen, dass Globalisierung
Wirtschaftswachstum bewirkt, das ja die oberste Maxime im herr-schenden
Wirtschaftssystem darstellt. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen,
was für alle gut ist.
Zumindest in Bezug auf Frauen bestehen starke
Zweifel an dieser Logik. Die Gobalisierung schafft nicht nur Gewinnerinnen,
sondern auch Verliererinnen. Oft wechselt frau schnell die Seiten, weil
neu geschaffene Arbeitsplätze in der Industrie wieder verloren gehen,
wenn die UnternehmerInnen als Reaktion auf versuchte Arbeiterinnenorganisierung
die Produktion in ein anderes Land verlegen. Außerdem wird Frauenarbeit
auch durch technische Fortschritte wegrationalisiert (z.B. Scanner in
der Datenerfassung).
Die schlechte Qualität dieser durch die Handelsliberalisierung
geschaffenen Frauenarbeitsplätze in der Industrie bzw. Manufaktur in Bezug
auf technische Sicherheit, soziale Absicherung und Dauerhaftigkeit wurden
schon mehrfach dokumentiert. Ein rascher problemloser Rückzug
des Investors/der Investorin wird durch zahlreiche Abkommen gewährleistet,
der Schutz der Arbeiterinnen hingegen nicht.
Der Großteil der Investitionen in Ländern des
Südens fließt jedoch nicht in die Produktion und damit in die Schaffung
von Arbeitsplätzen, sondern geschieht in Form von Anlagen an Börsen. Diese
Investitionen werden meist sehr schnell wieder abgezogen und verursachen
dabei oft große Schäden (siehe Börsencrashes in Asien, Mexiko und Brasilien).
Die Handelsliberalisierung im Bereich Dienstleistungen
brachte vor allem ein Ansteigen der IT-Arbeitsplätze, die häufig von Frauen
besetzt sind. Allerdings gelten auch hier die oben erwähnten Bedingungen.
Eine weitere Liberalisierung des Dienstleistungssektors, wie sie derzeit
mit Hilfe des GATS geplant wird, kann den Frauen im Süden kaum Vorteile
bringen. Die bereits bekannten negativen Konsequenzen der Strukturanpassungsprogramme,
ausgelöst durch eine Privatisierung des Bildungs- und Gesundheitswesens,
würden durch ein einklagbares Vertragswerk wie das GATS noch verschärft.
Ähnliches gilt für weitere Liberalisierungen
im Bereich Landwirtschaft, wie sie ebenfalls schon in den Strukturanpassungsprogrammen
vorkommen. Der Billigimport von Nahrungsmitteln untergräbt die nationalen
Landwirtschaften, eine Forcierung der Exportproduktion schwächt die Ernährungssicherheit
der lokalen Bevölkerung, und die ersten, die darunter zu leiden haben,
sind der Erfahrung nach Frauen. Das TRIPS-Abkommen dient der Festschreibung
dieser Liberalisierungen im Bereich des Geistigen Eigentums. Es berührt
in besonderer Weise das lokale Wissen um Saatgutproduktion und Medizinalpflanzen,
das in den Ländern des Südens zum großen Teil in den Händen der Bäuerinnen
liegt.
Das besondere Problem mit den erwähnten Abkommen,
die eine Kodifizierung der Globalisierung darstellen, ist ihre Position
außerhalb des UN-Regelwerkes. Sie alle werden innerhalb der WTO, einer
Wirtschaftsförderungsinstitution ohne jegliches Interesse für Frauenbelange,
verhandelt und beschlossen. Regelverletzungen kommen Vertragsbrüchen gleich,
die durch Kompensationsmassnahmen ausgeglichen werden müssen. Der dadurch
entstehende Druck auf die Regierungen des Südens ist leicht vorstellbar,
die negativen Konsequenzen für die Frauen in diesen Ländern ebenfalls.
Wichtige Begriffe
EPZ: Export Processing Zones; Exportproduktionszonen;
Gebiete in Ländern des Südens, in denen soziale und arbeitsrechtliche
Gesetze außer Kraft gesetzt werden; in EPZ produzieren meist Frauen unter
menschenunwürdigen Bedingungen Waren wie Kleidung, Spielzeug und Sportartikel
für den Export in den Norden.
GATS: General Agreement on Trade in Services; Allgemeines Abkommen
zum Handel mit Dienstleistungen; betrifft alle Arten von Dienstleistungen
wie Bildung, Gesundheitsversorgung, öffentlicher Verkehr, Wasser, Energie,
Telekommunikation; Verhandlungen sollen im März 2003 zum Abschluss gebracht
werden.
GATT: General Agreement on Tariffs and Trade; Allgemeines Zoll-
und Handelsabkommen; 1947 bis 1994 in Kraft; betrifft v.a. Handel mit
Waren im engeren Sinn, inklusive landwirtschaftliche Produkte.
IBRD: International Bank for Reconstruction and Development; nennt
sich selbst Weltbank; wurde 1944 in Bretton Woods, USA gegründet, um den
Aufbau Europas nach dem 2. Weltkrieg zu finanzieren; führt seit den 70ern
Projekte und Programme in Ländern des Südens durch.
IWF: Internationaler Währungsfonds; 1995 gegründet; Teil des Bretton-Woods-Systems;
Aufgabe: Bewahrung der internationalen Währungs- und Wechselkursstabilität;
vergibt Kredite mit "Konditionalitäten" (SAP) an Länder des Südens.
NAFTA: North American Free Trade Agreement; Freihandelszone zwischen
den USA, Kanada und Mexiko. Quad-Länder: die vier einflußreichsten Staaten/Staatengruppen
innerhalb der WTO: USA, EU, Kanada, Japan.
Retorsionsmaßnahmen: Strafe für nicht eingehaltene Verpflichtungen.
SAP: Strukturanpassungsprogramm, meist der Weltbank (IBRD); verpflichtet
die Staaten (des Südens) zu Marktöffnung und Budgetkonsolidierung durch
Einsparungen und Privatisierungen im Sozial-, Gesundheits- und Enerigebereich.
Streitschlichtungsverfahren: Prozess innerhalb der WTO, durch den ein
Staat einen anderen Staat auf Kompensationen wegen handelshemmender Maßnahmen
klagen kann.
TRIPS: Trade-related Aspects of Intellectual Property Rights; Handelsbezogene
Aspekte der Rechte des Geistigen Eigentums; wurde gleichzeitig mit GATT
(1995) wirksam; betrifft alle Erfindungen im weitesten Sinn, besonders
im Bereich Bio- und Gentechnologie.
UNCTAD: UN Conference on Trade and Development; UN Handels- und
Entwicklungskonferenz; gegründet 1964; lange Zeit wichtigstes Forum im
Nord-Süd-Dialog; hat seit der Gründung der WTO an Bedeutung verloren.
Uruguay-Runde: Verhandlungen im GATT-Prozess 1986-1994, zentrales
Thema war Liberalisierung des Agrarbereichs; mündete in Gründung der WTO.
WTO: World Trade Organization; Welthandelsorganisation; wurde 1994
als Nachfolgeorganisation des GATT gegründet, seit 1995 in Kraft; Aufgabe
ist die Regelung der Handelsbeziehungen innerhalb bindender Regeln wie
Gegenseitigkeit, Liberalisierung und Meistbegünstigung.
Empfohlene Literatur
WICHTERICH, Christa 1998: Die globalisierte
Frau. Berichte aus der Zukunft der Ungleichheit. Rowohlt Taschenbuch Verlag
GmbH, Reinbeck bei Hamburg. SIG: I A 1291
PROKLA 111 1998: Globalisierung und Gender. PROKLA Zeitschrift für kritische
Sozialwissenschaft, Nr. 2, Juni 1998. Verlag Westfälisches Dampfboot.
SIG: I A 1303
BEITRÄGE ZUR FEMINISTISCHEN THEORIE UND PRAXIS 1998: global lokal postsozial.
Nr. 47/48. Eigenverlag des Vereins Beiträge zur feministischen Theorie
und Praxis e.V., Köln. SIG: R 1/47-48
FONTANA, Marzia, Susan JOEKES und Rachel MASIKA 1998: Global Trade Expansion
and Liberalisation: Gender Issues and Impacts. Report commissioned by
the Department for International Development, UK. Bridge Report No. 42.
Institute of Development Studies, Brighton. SIG: Z A 70/42
JOEKES, Susan und Ann WESTON 1994: Women and the New Trade Agenda. UNIFEM,
New York. SIG: I A 529
KLINGEBIEL, Ruth und Shalini RANDERIA (Hginnen) 1998: Globalisierung aus
Frauensicht. Bilanzen und Visionen. EINE Welt - Texte der Stiftung Entwicklung
und Frieden, Band 6, Bonn. SIG: I A 1290
MIES, Maria 2001: Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft
der Konzerne. Rotbuch Verlag, Hamburg. SIG: I A 1706
ARBEITSGRUPPE STRUKTURANPASSUNG UND FRAUEN (Hgin) 1992: Von der Vernicht(s)ung
der Frauen. Zur Wirtschaftspolitik und -theorie von IWF und Weltbank.
Bern. SIG: II A 321
HALE, Angela (Hgin) 1998: Trade Myths and Gender Reality. Trade Liberalisation
and Women's Lives. Global Publications Foundation and International Coalition
for Development Action. SIG: I A 1299
HAXTON, Eva und Claes OLSSON (Hgin) 1997: Women and Sustainability in
International Trade. Global Publications Foundation and International
Coalition for Development Action. SIG: I A 1358
WOMEN WORKING WORLDWIDE Briefing Paper: World Trade is a Women's Issue.
Promoting the Rights of Women workers in a changing world economy. UK.
SIG: II A 957
Die angegebene Literatur ist in der Bibliothek
der Frauensolidarität verfügbar.
Interessante Links
www.wedo.org
WEDO Women Environment and Development Organization
www.vshiva.net/dwd.html
Diverse Women for Diversity
www.genderandtrade.net
International Gender and Trade Network
www.genderandtradeafrica.co.za/About.htm
GENTA Gender and Trade Network in Africa
www.cafra.org CAFRA
Caribean Association for Feminist Research and Action
www.womensedge.org
Women's Edge The Coalition for Women's Economic Development and
Global Equality
www.twnside.org.sg
Third World Network
www.weedbonn.org WEED
World Economy, Ecology and Development
www.wdm.org.uk World
Development Movement
www.polarisinstitute.org
The Polaris Institute
www.canadians.org
The Council of Canadians
www.gatswatch.org
Gatswatch Network
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