Globalisierung

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Text und Zusammenstellung: Karin Klampfer

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Der Begriff der Globalisierung beschreibt eine Entwicklung der zunehmenden internationalen wirtschaftlichen Verflechtung der Handels-, Kapital- und Technologieströme in der Welt.

Es wird generell angenommen, dass Globalisierung Wirtschaftswachstum bewirkt, das ja die oberste Maxime im herr-schenden Wirtschaftssystem darstellt. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen, was für alle gut ist.

Zumindest in Bezug auf Frauen bestehen starke Zweifel an dieser Logik. Die Gobalisierung schafft nicht nur Gewinnerinnen, sondern auch Verliererinnen. Oft wechselt frau schnell die Seiten, weil neu geschaffene Arbeitsplätze in der Industrie wieder verloren gehen, wenn die UnternehmerInnen als Reaktion auf versuchte Arbeiterinnenorganisierung die Produktion in ein anderes Land verlegen. Außerdem wird Frauenarbeit auch durch technische Fortschritte wegrationalisiert (z.B. Scanner in der Datenerfassung).

Die schlechte Qualität dieser durch die Handelsliberalisierung geschaffenen Frauenarbeitsplätze in der Industrie bzw. Manufaktur in Bezug auf technische Sicherheit, soziale Absicherung und Dauerhaftigkeit wurden schon mehrfach dokumentiert. Ein rascher „problemloser“ Rückzug des Investors/der Investorin wird durch zahlreiche Abkommen gewährleistet, der Schutz der Arbeiterinnen hingegen nicht.

Der Großteil der Investitionen in Ländern des Südens fließt jedoch nicht in die Produktion und damit in die Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern geschieht in Form von Anlagen an Börsen. Diese Investitionen werden meist sehr schnell wieder abgezogen und verursachen dabei oft große Schäden (siehe Börsencrashes in Asien, Mexiko und Brasilien).

Die Handelsliberalisierung im Bereich Dienstleistungen brachte vor allem ein Ansteigen der IT-Arbeitsplätze, die häufig von Frauen besetzt sind. Allerdings gelten auch hier die oben erwähnten Bedingungen. Eine weitere Liberalisierung des Dienstleistungssektors, wie sie derzeit mit Hilfe des GATS geplant wird, kann den Frauen im Süden kaum Vorteile bringen. Die bereits bekannten negativen Konsequenzen der Strukturanpassungsprogramme, ausgelöst durch eine Privatisierung des Bildungs- und Gesundheitswesens, würden durch ein einklagbares Vertragswerk wie das GATS noch verschärft.

Ähnliches gilt für weitere Liberalisierungen im Bereich Landwirtschaft, wie sie ebenfalls schon in den Strukturanpassungsprogrammen vorkommen. Der Billigimport von Nahrungsmitteln untergräbt die nationalen Landwirtschaften, eine Forcierung der Exportproduktion schwächt die Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung, und die ersten, die darunter zu leiden haben, sind der Erfahrung nach Frauen. Das TRIPS-Abkommen dient der Festschreibung dieser Liberalisierungen im Bereich des Geistigen Eigentums. Es berührt in besonderer Weise das lokale Wissen um Saatgutproduktion und Medizinalpflanzen, das in den Ländern des Südens zum großen Teil in den Händen der Bäuerinnen liegt.

Das besondere Problem mit den erwähnten Abkommen, die eine Kodifizierung der Globalisierung darstellen, ist ihre Position außerhalb des UN-Regelwerkes. Sie alle werden innerhalb der WTO, einer Wirtschaftsförderungsinstitution ohne jegliches Interesse für Frauenbelange, verhandelt und beschlossen. Regelverletzungen kommen Vertragsbrüchen gleich, die durch Kompensationsmassnahmen ausgeglichen werden müssen. Der dadurch entstehende Druck auf die Regierungen des Südens ist leicht vorstellbar, die negativen Konsequenzen für die Frauen in diesen Ländern ebenfalls.

Wichtige Begriffe

EPZ: Export Processing Zones; Exportproduktionszonen; Gebiete in Ländern des Südens, in denen soziale und arbeitsrechtliche Gesetze außer Kraft gesetzt werden; in EPZ produzieren meist Frauen unter menschenunwürdigen Bedingungen Waren wie Kleidung, Spielzeug und Sportartikel für den Export in den Norden.
GATS: General Agreement on Trade in Services; Allgemeines Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen; betrifft alle Arten von Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, öffentlicher Verkehr, Wasser, Energie, Telekommunikation; Verhandlungen sollen im März 2003 zum Abschluss gebracht werden.
GATT: General Agreement on Tariffs and Trade; Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen; 1947 bis 1994 in Kraft; betrifft v.a. Handel mit Waren im engeren Sinn, inklusive landwirtschaftliche Produkte.
IBRD: International Bank for Reconstruction and Development; nennt sich selbst Weltbank; wurde 1944 in Bretton Woods, USA gegründet, um den Aufbau Europas nach dem 2. Weltkrieg zu finanzieren; führt seit den 70ern Projekte und Programme in Ländern des Südens durch.
IWF: Internationaler Währungsfonds; 1995 gegründet; Teil des Bretton-Woods-Systems; Aufgabe: Bewahrung der internationalen Währungs- und Wechselkursstabilität; vergibt Kredite mit "Konditionalitäten" (SAP) an Länder des Südens.
NAFTA: North American Free Trade Agreement; Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Quad-Länder: die vier einflußreichsten Staaten/Staatengruppen innerhalb der WTO: USA, EU, Kanada, Japan.
Retorsionsmaßnahmen: Strafe für nicht eingehaltene Verpflichtungen.
SAP: Strukturanpassungsprogramm, meist der Weltbank (IBRD); verpflichtet die Staaten (des Südens) zu Marktöffnung und Budgetkonsolidierung durch Einsparungen und Privatisierungen im Sozial-, Gesundheits- und Enerigebereich. Streitschlichtungsverfahren: Prozess innerhalb der WTO, durch den ein Staat einen anderen Staat auf Kompensationen wegen handelshemmender Maßnahmen klagen kann.
TRIPS:
Trade-related Aspects of Intellectual Property Rights; Handelsbezogene Aspekte der Rechte des Geistigen Eigentums; wurde gleichzeitig mit GATT (1995) wirksam; betrifft alle Erfindungen im weitesten Sinn, besonders im Bereich Bio- und Gentechnologie.
UNCTAD: UN Conference on Trade and Development; UN Handels- und Entwicklungskonferenz; gegründet 1964; lange Zeit wichtigstes Forum im Nord-Süd-Dialog; hat seit der Gründung der WTO an Bedeutung verloren.
Uruguay-Runde: Verhandlungen im GATT-Prozess 1986-1994, zentrales Thema war Liberalisierung des Agrarbereichs; mündete in Gründung der WTO.
WTO: World Trade Organization; Welthandelsorganisation; wurde 1994 als Nachfolgeorganisation des GATT gegründet, seit 1995 in Kraft; Aufgabe ist die Regelung der Handelsbeziehungen innerhalb bindender Regeln wie Gegenseitigkeit, Liberalisierung und Meistbegünstigung.

Empfohlene Literatur

WICHTERICH, Christa 1998: Die globalisierte Frau. Berichte aus der Zukunft der Ungleichheit. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg. SIG: I A 1291
PROKLA 111 1998: Globalisierung und Gender. PROKLA Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Nr. 2, Juni 1998. Verlag Westfälisches Dampfboot. SIG: I A 1303
BEITRÄGE ZUR FEMINISTISCHEN THEORIE UND PRAXIS 1998: global lokal postsozial. Nr. 47/48. Eigenverlag des Vereins Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis e.V., Köln. SIG: R 1/47-48
FONTANA, Marzia, Susan JOEKES und Rachel MASIKA 1998: Global Trade Expansion and Liberalisation: Gender Issues and Impacts. Report commissioned by the Department for International Development, UK. Bridge Report No. 42. Institute of Development Studies, Brighton. SIG: Z A 70/42
JOEKES, Susan und Ann WESTON 1994: Women and the New Trade Agenda. UNIFEM, New York. SIG: I A 529
KLINGEBIEL, Ruth und Shalini RANDERIA (Hginnen) 1998: Globalisierung aus Frauensicht. Bilanzen und Visionen. EINE Welt - Texte der Stiftung Entwicklung und Frieden, Band 6, Bonn. SIG: I A 1290
MIES, Maria 2001: Globalisierung von unten. Der Kampf gegen die Herrschaft der Konzerne. Rotbuch Verlag, Hamburg. SIG: I A 1706
ARBEITSGRUPPE STRUKTURANPASSUNG UND FRAUEN (Hgin) 1992: Von der Vernicht(s)ung der Frauen. Zur Wirtschaftspolitik und -theorie von IWF und Weltbank. Bern. SIG: II A 321
HALE, Angela (Hgin) 1998: Trade Myths and Gender Reality. Trade Liberalisation and Women's Lives. Global Publications Foundation and International Coalition for Development Action. SIG: I A 1299
HAXTON, Eva und Claes OLSSON (Hgin) 1997: Women and Sustainability in International Trade. Global Publications Foundation and International Coalition for Development Action. SIG: I A 1358
WOMEN WORKING WORLDWIDE Briefing Paper: World Trade is a Women's Issue. Promoting the Rights of Women workers in a changing world economy. UK. SIG: II A 957

Die angegebene Literatur ist in der Bibliothek der Frauensolidarität verfügbar.

Interessante Links

www.wedo.org WEDO – Women Environment and Development Organization
www.vshiva.net/dwd.html Diverse Women for Diversity
www.genderandtrade.net International Gender and Trade Network
www.genderandtradeafrica.co.za/About.htm GENTA – Gender and Trade Network in Africa
www.cafra.org CAFRA – Caribean Association for Feminist Research and Action
www.womensedge.org Women's Edge – The Coalition for Women's Economic Development and Global Equality
www.twnside.org.sg Third World Network
www.weedbonn.org WEED – World Economy, Ecology and Development
www.wdm.org.uk World Development Movement
www.polarisinstitute.org The Polaris Institute
www.canadians.org The Council of Canadians
www.gatswatch.org Gatswatch Network

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