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HIV/AIDS Geschlechtsspezifische Übertragungsrisiken Verstärkte Gefahr für junge Frauen Text und Zusammenstellung: Rosa Zechner |
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von UNAIDS leben derzeit (2002) mehr als 40 Millionen Menschen mit HIV bzw.
AIDS, 2001 gab es 5 Mill. Neuinfektionen und seit dem Ausbruch der Epidemie
starben etwa 25 Mill. Menschen an AIDS. In den Ländern des Südens, v.a.
Afrika, und hier wiederum speziell für Frauen, ist es besonders schwierig,
den Teufelskreis von Armut, Ansteckung und Ausbruch der tödlichen Krankheit
zu durchbrechen.
Der Anteil der Frauen an den HIV-infizierten Erwachsenen (in der AIDS-Statistik werden unter der Kategorie Erwachsene nur 15- bis 49-Jährige erfasst) stieg von 33% im Jahr 1989 auf 47% im Jahr 2001. Während die Frauen unter den HIV-Positiven - noch - in der Minderheit sind, stellen sie bei den AIDS-Toten mit 52% die Mehrheit, was als Folge der sozialen, politischen und ökonomischen Diskriminierung von Frauen (z.B. beschränkter Zugang zum Gesundheitswesen) interpretiert werden kann. Frauen sind - auch relativ gesehen - in steigendem Ausmaß von dieser Krankheit betroffen. Verschärft wird diese Situation noch dadurch, dass vorwiegend Frauen für die Pflege von AIDS-Kranken zuständig sind. In Regionen, in denen das HI-Virus vor allem durch heterosexuellen Verkehr übertragen wird - wie in zahlreichen Ländern Afrikas südlich der Sahara und Asiens -, ist die Infektionsrate bei Frauen etwa gleich hoch wie bei Männern. Wo die Verbreitung von AIDS v.a. durch sexuelle Kontakte zwischen Männern und über Drogen erfolgt - wie in Nordamerika und Europa sowie Lateinamerika -, verbreitet sich das Virus zunehmend auch in einer spezifisch heterosexuellen Population von jungen Frauen und jungen Männern. Regionale Entwicklungen 95% aller HIV-Positiven leben in Ländern der Dritten Welt, in denen die Entwicklung des Gesundheitswesens und die ökonomischen Ressourcen mit der Verbreitung der Krankheit nicht Schritt halten können. 28,1 Mill. bzw. 70% aller Menschen mit HIV/AIDS leben in Afrika südlich der Sahara, hier sind 8,4% der 15- bis 49-Jährigen HIV-positiv. Afrika südlich der Sahara, wo der Zugang zur medizinischen Versorgung schwierig und die Behandlungskosten unerschwinglich sind, hat auch die überwiegende Mehrheit der AIDS-Todesfälle zu verzeichnen. Am höchsten sind die HIV/AIDS-Raten in Botswana und Simbabwe, wo 38,8% bzw. 33,7% der 15- bis 49-Jährigen mit HIV infiziert ist. Afrika südlich der Sahara ist auch die Region, in der der Anteil der HIV-positiven Frauen höher ist als jener der Männer, er beträgt 55%. Die überwiegende Mehrheit der HIV-infizierten Bevölkerung Asiens lebt in Süd- und Südostasien, nämlich 6,1 Mill. Menschen, wobei der Anteil von Frauen 35% beträgt. Die höchsten HIV-Raten verzeichnen Kambodscha mit 4% der 15- bis 49-Jährigen, Thailand mit 2,2%, Myanmar (Burma) mit 2% und Indien mit 0,7%. Asien ist die Region, in der sich HIV/AIDS am spätesten verbreitete, was die Präventionsmöglichkeiten begünstigte. Dass aber auch hier die Infektionsraten sprunghaft ansteigen (können), zeigt etwa das Beispiel Vietnam, wo zwischen 1994 und 1998 die HIV-Rate unter weiblichen Prostituierten um das Fünffache zunahm. Auch in China, das bislang noch eine niedrige HIV-Rate hat, besteht die Gefahr eines sprunghaften Anstiegs durch die Ausbreitung der Sex-Industrie. In Westeuropa und Nordamerika leben derzeit etwa 1,5 Mill. Menschen mit HIV/AIDS, wobei 20% (Nordamerika) bzw. 25% (Westeuropa) der HIV-positiven Erwachsenen Frauen sind. Von den 1,8 Mill. HIV-positiven Menschen in Südamerika und der Karibik sind 25% (Südamerika) bzw. 35% (Karibik) weiblich. Nach Afrika südlich der Sahara hat die Karibik die höchste HIV-Rate mit einem Anteil von 2,3% an der Bevölkerungsgruppe der 15- bis 49-Jährigen. Als Beispiel für den steigenden Anteil von Frauen an den HIV-Infizierten sei Brasilien erwähnt, hier kamen 1986 auf eine infizierte Frau 16 Männer, bis 1997 verlagerte sich das Verhältnis auf eine Frau zu drei Männern. Osteuropa und Zentralasien ist die Region, in der die HIV-Rate besonders rasch ansteigt. Ende 1997 gab es hier nur 170.000 HIV-Positive, Ende 2001 waren es bereits 1 Mill. Etwa 20% der HIV-Positiven in dieser Region sind Frauen. Die Region mit der relativ geringsten Verbreitung von HIV/AIDS ist Ostasien und Pazifik (0,07% der 15- bis 49-Jährigen), gefolgt von Australien und Neuseeland (0,13%) sowie Nordafrika und Naher Osten (0,2%). Geschlechtsspezifische Übertragungsrisiken Das Risiko einer Übertragung des HI-Virus durch heterosexuellen Verkehr ist für Frauen zwei- bis viermal so hoch wie für Männer. Der Übertragungsweg vom männlichen Samen, der eine besonders hohe Konzentration des Virus enthält, auf die Vaginalsekrete ist durch die größere Oberfläche, durch die das Virus bei Frauen aufgenommen werden kann, viel wahrscheinlicher als umgekehrt. Auch soziale und kulturelle Faktoren vergrößern die Anfälligkeit von Frauen für die Immunschwächekrankheit. Diskriminierende Praktiken beschränken oft den Zugang von Frauen zu Informationen über reproduktive Gesundheit, die sie vor dieser Krankheit schützen könnten. Das Machtgefälle zwischen Männern und Frauen hindert Frauen daran, ihre Rechte einzufordern. So z.B. verabsäumen Frauen oft aus Angst vor Vergeltung oder Gewalt, von ihren Partnern die Verwendung von Kondomen als Schutz vor HIV/AIDS zu fordern. Männliche Promiskuität ist ein weiterer Grund für die Verbreitung des HI-Virus; monogamen Frauen ist das potenzielle Risiko einer Infektion durch ihren Partner oft nicht bewusst. Eine Studie über Indien hat gezeigt, dass 91% jener Frauen, die in einer Klinik auf Geschlechtskrankheiten (STI) untersucht wurden, ausschließlich Sexualverkehr mit ihrem Ehemann hatten, allesamt eine STI-Infektion aufwiesen und 14% davon HIV-infiziert waren. Für Prostituierte besteht generell ein höheres Risiko einer HIV-Infektion, oft mangelt es ihnen an Information, wie sie sich selbst vor der Immunschwächekrankheit schützen könnten. Gerade junge Frauen, die in das Sex-Gewerbe gezwungen werden, haben kaum Möglichkeiten, auf Schutzmaßnahmen zu bestehen. Für erwerbstätige Frauen ist der Zugang zu Medikamenten, die zur Behandlung des Virus eingesetzt werden, oft schwieriger als für Männer, wie eine Studie über Mexiko zeigt. Hinzu kommt noch, dass Frauen häufiger im informellen Sektor arbeiten, wo keine soziale Absicherung gegeben ist. Verstärkte Gefahr für Mädchen und junge Frauen Beinahe die Hälfte der Neuinfizierten gehört zur Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. In den Ländern mit den höchsten HIV-Raten sind es sogar 60% und mehr. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind dabei signifikant: In Westkenia sind 25% der jungen Frauen (15- bis 19-Jährige) mit HIV infiziert, hingegen nur 4% der jungen Männer. Die Infektionsrate in Sambia ist für junge Frauen dreimal höher als für junge Männer. Die höhere Anfälligkeit jüngerer Menschen konzentriert sich weiters auf spezifische Gruppen wie Obdachlose, Flüchtlinge, Menschen, die in städtischen Slums wohnen, Opfer sexueller Gewalt, junge Schwule, Prostituierte und Drogenabhängige. Stillen - das Dilemma HIV-infizierter Mütter Während schätzungsweise nur 19% der Kinder insgesamt in Afrika leben, leben 90% der HIV-positiven Kinder in dieser Region. Die überwiegende Mehrheit der Kinder mit HIV/AIDS wurde durch die Mütter infiziert. Das Risiko, dass ein Baby von seiner HIV-positiven Mutter infiziert wird, beträgt in Ländern des Nordens 15 bis 20%, in Ländern des Südens 25 bis 35%. Stillen, das in Dritte-Welt-Ländern häufiger und länger praktiziert wird, ist wahrscheinlich die Hauptursache für diesen Unterschied. Etwa ein Drittel der HIV-positiven Kinder wird vermutlich bereits im Uterus infiziert, ein weiteres Drittel bei der Geburt und ein weiteres Drittel durch die Muttermilch. Flaschennahrung soll das Risiko einer HIV-Übertragung durch Muttermilch beseitigen. Diese Alternative zum Stillen ist aber für viele Frauen in Ländern des Südens nicht realisierbar. Erstens sind die Kosten für diese Babynahrung sehr hoch und zweitens ist der Zugang zu reinem Wasser und zu Brennstoff - als wichtige Voraussetzung, die Babynahrung sicher zuzubereiten - oft nicht vorhanden. Prävention Wie wichtig und erfolgreich Präventionsmaßnahmen und Bewusstseinskampagnen sein können, zeigt etwa das Beispiel Uganda. Uganda wies in den frühen 1990er Jahren eine HIV-Rate von 14% auf. Durch Präventionsmaßnahmen gelang es, bis zum Ende des Jahrtausends die Rate beinahe zu halbieren - auf 8%. In einigen ländlichen Regionen konnte durch einen Rückgang der Teenagerschwangerschaften die Infektionsrate bei Mädchen von 4,4% (1989/90) auf 1,4% (1996/97) reduziert werden. Das Programm 100% condom use, angeregt durch Thailands positive Erfahrungen, wird derzeit in städtischen Gebieten Kambodschas durchgeführt. Innerhalb von vier Jahren konnte die Verwendung von Kondomen in Bordellen von 40% auf 80% erhöht werden. Für erfolgreiche Kampagnen zur Eindämmung von HIV/AIDS ist es zentral, das Verhalten der Männer zu ändern. Angesichts der ungleichen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern ist dieses Verhalten oft auch für die Infektion von Frauen mit dem HI-Virus entscheidend. In Anbetracht der zentralen Rolle der Männer bei der Verbreitung der Immunschwächekrankheit stand 2001 die internationale AIDS-Kampagne unter dem Motto Men make a difference. Stigma und Diskriminierung ist das Thema der internationalen AIDS-Kampagne 2002-2003. Die Kampagne soll Menschen dazu ermutigen, das Schweigen über HIV/AIDS zu brechen und somit eine effiziente Prävention und Fürsorge zu ermöglichen. Links UNAIDS http://www.unaids.org
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