DIE FRAUENMORDE VON CIUDAD JUÁREZ
WER SIND DIE TÄTER?

Vortrag von und Diskussion mit Judith Galarza (Mexiko). Sie gründete aus persönlicher Betroffenheit heraus - ihre Schwester war eines der ersten Opfer in der Mordserie - eine Vereinigung von Familienangehörigen der Mordopfer. Frau Galarza ist seit kurzem auch Generalsekretärin von FEDEFAM, der lateinamerikanischen Vereinigung von verschwundeten/ermordeten Personen.

Moderation: Ulrike Lunacek (Obfrau Verein Frauensolidarität, Abg.z.NR) Einleitende Worte: Petra Bayr (Abg.z.NR)

Zeit: Freitag, 12. März 2004, 19.oo
Ort: Renner-Institut (Eingang Hotel Altmannsdorf), Hoffingergasse 26-28, 1120 Wien
(erreichbar mit U6 Station Am Schöpfwerk)

Der anschließend gezeigte, preisgekrönte Dokumentarfilm "Señorita Extraviada" von Lourdes Portillo (USA/Mexiko, 75 min., engl. Fassung) versucht Licht in das Schicksal der ermordeten Frauen von Ciudad Juárez und auf die Produktionsbedingungen in den Weltmarktfabriken zu bringen.

In der mexikanischen Grenzregion zu den USA, in der Millionenstadt Ciudad Juárez, wurden in den letzten zehn Jahren knapp 400 junge Frauen entführt, vergewaltigt, ermordet. Die Behörden ermitteln schleppend und erfolglos. Judith Galarza, Gründerin einer Organisation von Familienangehörigen der Mordopfer, berichtet über die neuesten Ermittlungsergebnisse.

In Ciudad Juárez, im Norden Mexikos an der Grenze zu den USA gelegen, ist die Globalisierung zu einer apokalyptischen Vision geworden. In den Weltmarktfabriken von Nike, Sony, Mitsubishi, Hewlett Packard & Co. schuften über 200 000 Menschen Tag für Tag - und bei guter Auftragslage auch nachts - in hermetisch abgeriegelten Gebäuden, bei stickiger Luft im Licht von Neonlampen, zu ärmlichen Löhnen und unter prekärsten Arbeitsbedingungen. Der hier geschaffene Reichtum geht in die Herkunftsländer der Konzerne - vor allem USA, Japan, Taiwan und Südkorea. Der mexikanische Staat hebt nur minimale Steuern auf die Ausfuhren ein. Mehr als die Hälfte der jungen Frauen, die etwa 65 Prozent der Arbeitskräfte in Ciudad Juárez stellen, sind ledige Mütter. Viele gingen alleine von Zuhause weg, um dann einen Teil ihres Einkommens an ihre Familien zu überweisen. Sie arbeiten in den Billiglohnfabriken, in Bars und Restaurants, als Prostituierte. Und viele, die auf der Suche nach Arbeit hierherkamen, kehren nicht mehr zurück.

Seit 1993 sind zwischen 320 und 370 Frauen in Ciudad Juárez ermordet worden, zwischen 400 und 500 sind spurlos verschwunden. Amnesty International spricht von der Maquila-Boomtown als der "Stadt der toten Mädchen". Die grauenhaften Umstände, unter denen die Serienmorde begangen werden, bieten den Nährstoff für die verschiedensten Spekulationen. Die Opfer werden häufig vergewaltigt, misshandelt, erhängt oder zu Tode geprügelt. Und es sind in der Regel junge, attraktive Frauen, die von den Mördern ausgesucht werden, manchmal sogar noch Kinder. Die Tatsache, dass die jahrelangen Ermittlungen bisher noch kein Licht in das Dunkel dieser bestialischen Mordserie gebracht haben, haben die Vorstellung von tödlichen Sex-Orgien entstehen lassen, an denen höchste Vertreter aus Gesellschaft und Politik teilnehmen. Andere sprechen davon, dass die Frauen zur Herstellung von Snuff-Videos entführt werden und ihr Leidensweg auf diesen gewaltverherrlichenden Pornos aufgenommen wird. Die mexikanische Justiz hat es bis jetzt verabsäumt, die mysteriöse Mordserie aufzuklären, und die Politik hat die Problematik lange Zeit ignoriert.

Den Stein ins Rollen brachte eine Untersuchungskommission von Amnesty International Anfang August des Vorjahres in Ciudad Juárez. Die Menschenrechtsorganisation kommt zwar zu keinen konkreten Ergebnissen hinsichtlich der Täter, doch hat ihr Bericht, der die sträflichen juridischen und politischen Versäumnisse vieler Jahre aufzeigt, in Mexiko viel Staub aufgewirbelt. Ende Jänner 2004 hat die mexikanische Justiz María López Urbina zur Sonderstaatsanwältin für die Aufklärung der Frauenmorde von Ciudad Juárez eingesetzt. Die "Mexikanische Kommission zur Verteidigung und Förderung der Menschenrechte" glaubt jedoch nicht, dass damit ein Durchbruch bei der Aufklärung der Serienmorde erreicht wird. Zu groß ist das Misstrauen gegenüber den staatlichen Ermittlungen in den letzten zehn Jahren, die zu keinerlei Ergebnissen geführt haben. In den letzten Monaten haben sich die unheimlichen Verbrechen auch auf andere Städte der Grenzregion ausgeweitet, und selbst in der weit entfernten Hauptstadt Chihuahua hat die Zahl der ungeklärten Frauenmorde zugenommen.

Veranstaltende Organisationen:
AI-Frauengruppe
Clean Clothes-Kampagne
Frauensolidarität
ProFrau
Südwind
Renner Institut

DANK an:
KommEnt/Österreichische Entwicklungszusammenarbeit
Österreichische HochschülerInnenschaft-Wien Frauenreferat

Kontakt: Tel. 01/317 40 20-0 (Christina Buder: c.buder@frauensolidaritaet.org )
01/405 55 15-308 (Werner Hörtner)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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