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Der Stoff, aus dem Geschichten sind ...
Frauenarbeit und Weltmarktfabriken in der Literatur am Beispiel Mauritius
Mit der Schriftstellerin Lindsey Collen
25. April bis 6. Mai 2002
Die Autorin Lindsey Collen ist Aktivistin in der
Gewerkschaftsbewegung, in Frauengruppen, Obdachlosen-Initiativen und Alphabetisierungskampagnen
auf Mauritius.
Eine Veranstaltungsreihe der Frauensolidarität
im Rahmen der Clean Clothes-Kampagne
Mauritius - das Paradies! Nicht für Tausende von
Frauen, die in den Freien Produktionszonen auf der Urlaubsinsel für den
textilen Weltmarkt schuften. Wie in den ca. 2.000 Exportproduktionszonen
weltweit gehören auch auf Mauritius 16-Stunden-Tage und 7-Tage-Wochen
zum Alltag der ca. 80.000 vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte. Gewerkschaften
werden mit allen Mitteln unterdrückt. Aufgrund des unerträglichen Leistungsdrucks
und der unzumutbaren Arbeitsplatzbedingungen kommt es regelmäßig zu massiven
gesundheitlichen Belastungen. Erst kürzlich starben zwei junge Frauen
aufgrund der gesundheitlichen Belastungen am Arbeitsplatz. Trotz dieser
düsteren Situation verlieren die Frauen nicht den Mut. In mehr als 550
Frauengruppen motivieren sie sich gegenseitig, um der Ausbeutung die Stirn
zu bieten. Auf welche Weise sie das tun, schildert die Schriftstellerin
Lindsey Collen in eindringlicher, lebhafter und humorvoller Weise.
Literaturhinweis: Lindsey Collen: Sita und die Gewalt (Reinbek bei Hamburg:
rororo 1997) 263 S.
Pressekonferenz
Lindsey Collen berichtet über aktuelle Arbeitsbedingungen von Frauen in
den Fabriken der Freihandelszonen auf Mauritius. Walter Sauer von SADOCC
spricht über den Zusammenhang von Free Trade Zones und Handelspolitik
der EU.
Zeit: Donnerstag, 25. April, 10.00 Uhr
Ort: Republikanischer Club, Rockhgasse 1, 1010 Wien
Der Stoff, aus dem Geschichten
sind ...
Lesung mit Lindsey Collen aus Mauritius mit Diashow und anschließender
Diskussion
Die Autorin und Feministin liest aus ihrem Roman Sita und die Gewalt
Lesung in Deutsch: Cecile Cordon
Zeit: Donnerstag, 25. April, 18.30 Uhr
Ort: Lalish-Theaterlabor, Gentzgasse 62, 1180 Wien
Eine andere Welt ist nötig!
Lesung und Diskussion mit Lindsey Collen
VeranstalterIn: Südwind Agentur Wien, Sozialistische Jugend Wien, Aktion
Handeln.
Information: Stefan Kerl, Tel: 01/4055515-306
Zeit: Freitag, 26. April, 20.00 Uhr
Ort: Neubaugasse 25 (durch den Hof rechts), 1070 Wien
Lindsey Collens Lebenstanz
oder Was bringt Solidarität? Gewerkschaftsarbeit
und Vernetzung auf Mauritius
Lesung und Diskussion mit Lindsey Collen
VeranstalterIn: Südwind Agentur, KAB, Bischöflich Arbeitslosenstiftung,
Bildungshaus Betriebsseminar, Sozialreferat der Diözese Linz, ÖGB-Bildungsreferat,
Weltumspannend arbeiten.
Information: Susi Loher, Tel: 0732/7956642
Zeit: Montag, 29. April, 19.00 Uhr
Ort: Bildungshaus Betriebsseminar, Kapuzinerstraße 49, Linz
Was tragen wir auf
unserer Haut?
Zusammenhang zwischen menschenunwürdigen Produktionsbedingungen und
unseren billigen Textilprodukten am Beispiel von Mauritius
Vortrag von Lindsey Collen mit anschließender Podiumsdiskussion
Auf dem Podium sind neben Lindsey Collen je eine VertreterIn der Textilindustrie
und der Gewerkschaft
VeranstalterIn: Grüne Bildungswerkstatt Vorarlberg, Grüne Frauen, Südwind
Agentur.
Information: Christine Schneider Tel: 05574/47488
Zeit: Freitag, 3. Mai, 20.00 Uhr
Ort: Hotel Martinspark, Mozartstraße 2, Dornbirn
Bitterer Zucker
Über die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrplantagen
Vortrag und Diskussion mit Lindsey Collen
VeranstalterIn: Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Südwind
Entwicklungspolitik Steiermark
Information: Südwind Steiermark, 0316/821137
Zeit: Montag, 6. Mai, 16.0018.00 Uhr
Ort: Wallgebäude, Merangasse 70, Mehrzwecksaal, Graz
Zur
Autorin:
Die 1948 in Südafrika geborene Lindsey Collen gilt derzeit als eine der
begabtesten Autorinnen des Südens. Sie engagierte sich in der Anti-Apartheid-Bewegung,
studierte Jura und Literaturwissenschaften in Südafrika und Wirtschaft
an der "London School of Economics". Seit 1974 hat sie ihren Wohnsitz
auf Mauritius und ist mit einem Arzt und Gewerkschaftsführer verheiratet.
Dort ist die Schriftstellerin, politische Kommentatorin und Hochschuldozentin
auch bekannt als Kämpferin für die Rechte der Frauen und gegen das AnalphabetInnentum.
Drei ihrer fünf Romane
sind bereits auf Deutsch erschienen (Die Wellen von Mauritius, Lebenstanz,
Sita und die Gewalt). Ihr Roman "Sita und die Gewalt" wurde 1994 mit dem
Commonwealth Writers Prize for Africa für den besten Roman Afrikas ausgezeichnet.
Auf Mauritius wurde dieser Roman, in dem die Vergewaltigung einer jungen
Frau aufgearbeitet wird, jedoch verboten mit der Begründung, dass er "eine
Ungeheuerlichkeit gegen die öffentliche und religiöse Moral" darstelle.
Die der Blasphemie beschuldigte Lindsey Collen wurde von Hindu-Fundamentalisten
physisch und psychisch bedroht: Die Hindu-Göttin Sita, Sinnbild für die
unangreifbare Würde der Frau, werde entehrt.
Zu Mauritius
Die aus zahlreichen Inseln
bestehende Republik Mauritius hat 1,2 Millionen EinwohnerInnen. Die Hauptstadt
Port Lois liegt auf der Hauptinsel Mauritius. Der Grundschulbesuch ist
kostenlos, die Volkschule verpflichtend. Dass allerdings Kreolisch aus
dem Bildungswesen verbannt wurde, stellt bereits in der Volkschule für
viele ein unüberwindbares Hindernis dar. Die AnalphabetInnenrate liegt
daher auch bei 40%. Die vier größten Wirtschaftssektoren des Landes sind
der Zuckerrohr-Anbau, der ständig ansteigende Tourismus (ca. 600.000 Personen/Jahr),
die Freien Produktionszonen (ca. 80.000 Personen, größtenteils Frauen
sind dort beschäftigt) und der stark zunehmende Datenverarbeitungs-, Computer-
und IT-Sektor.
Der Lebenstandard auf Mauritius ist verglichen mit Nachbarstaaten nicht
allzu niedrig, da es erstens bis 2001 ein Jahrzehnt lang kaum Arbeitslose
gab.
Zweitens war der Widerstand gegen die Strukturanpassungsprogramme der
Weltbank und des Internationalen Währungsfonds auf Mauritius so stark,
dass bisher die Gesundheitsversorgung und die Grundschule kostenlos sind,
die Grundnahrungsmittel gefördert werden und alle Menschen ab 60 generell
Anspruch auf Pension haben. Um Überleben zu können, braucht eine Familie
allerdings trotzdem mehrere Einkommen.
Zu den Freihandelszonen
auf Mauritius
Die Arbeitsbedingungen
in den Freien Produktionszonen von Mauritius sind identisch mit jenen
der anderen weltweiten Freien Produktionszonen: anstrengende, ermüdende
Akkordarbeit, Arbeitsstunden von 7.00 bis 23.00 Uhr für sechs bis sieben
Tage die Woche. Die Arbeitspausen betragen 30 min zweimal am Tag. Aufgrund
der unerträglichen Arbeitsbedingungen kommt es regelmäßig zu Massenhysterien.
Auslöser für den jüngsten Protest von 1.500 ArbeiterInnen war der Tod
von zwei jungen Chinesinnen, die dem übergroßen Leistungsdruck und den
unzumutbaren Überstunden nicht gewachsen waren.
Ca. 5000 chinesische Arbeiterinnen arbeiten derzeit auf Mauritius. Ihre
auswegslose Situation (keine Verdienstmöglichkeiten und unleistbare Miet-
und Schulgebühren in China) zwingt sie, zu jeder Bedingung auf Mauritius
zu arbeiten. Damit wird der nationale Arbeitsstandard (45 Wochenstunden
mit 10 verpflichtenden Überstunden) zusätzlich gedrückt. Die Chinesinnen
erhalten einen Drei-Jahres-Vertrag, allerdings geht das Gehalt des ersten
Jahres an das Unternehmen, "dafür, dass die Frau den Vertrag überhaupt
erhalten hat". Der Basislohn beträgt ca. 60 US-Dollar/Monat, der durch
Überstunden erhöht werden kann. Im Vergleich dazu kostet die Parkgebühr
für ein Auto in der Hauptstadt Port Lois 120 US-Dollar/Monat.
Obwohl es auf Mauritius neun Gewerkschaftsföderationen gibt, liegt die
Gewerkschaftsorganisation in den Freien Produktionszonen unter 10%. Gewerkschaftliche
Organisation war viele Jahre illegal, nun ist sie zwar legal auf dem Papier,
wird aber von den Unternehmensleitungen unterbunden, indem Arbeiterinnen
bei ihrer Neueinstellung ein Papier unterzeichnen müssen, in dem sie sich
verpflichten, keiner Gewerkschaft beizutreten. ArbeiterInnen, die es wagen,
sich trotzdem zu organisieren, werden physisch und psychisch unter Druck
gesetzt und oft gekündigt. Es gibt so gut wie keine Transparenz, für wen
die ArbeiterInnen die tausenden T-Shirts oder Jeans tagtäglich produzieren,
da die großen Trade-Marken keine eigenen Fabriken auf Mauritius haben.
Sicher ist aber, dass
viele der großen Marken bei verschiedenen kleinen Zulieferbetrieben der
Insel billigst einkaufen. So lassen z.B. in Österreich bekannte Marken
wie GAP, Tommy Hilfiger oder Woolworth - laut Aussagen von Arbeiterinnen
der Freien Produktionszone - bei zwei bis drei Fabriken auf Mauritius
produzieren.
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