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"Alter, Macht, geiler Typ" Die Affäre Strauss-Kahn als Symbol für Ausbeutung - Fazit einer Debatte: Sinnbild globaler Machtverhältnisse - "Herrschaft des Nordwestens über den Süden personifiziert" Die öffentliche Auseinandersetzung mit der Affäre Strauss-Kahn bedürfe einer ökonomiekritischeren Deutung. So lautete das Fazit der Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion "Der IWF - globale Ökonomie und/oder Sex & Crime?" am Donnerstagabend in Wien. Der Akt privater Machtdemonstration durch den ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, in Form der mutmaßlich versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens, könne auf die globale Wirtschaftspolitik umgelegt werden. Damit könne der Fall als Folie für das Aufzeigen von Ausbeutungsverhältnissen fruchtbar gemacht werden, so der Tenor der vom Verein "Frauensolidarität" und dem Institut für Internationale Entwicklung organisierten Veranstaltung. Der Internationale Währungsfonds (IWF), repräsentiert durch den weißen Mann, und die dunkle Frau, das Opfer dieser Institution - dieses Bild sei symptomatisch für die Herrschaftsordnung der globalen Ökonomie, so die Politikwissenschafterin und Ökonomin Gabriele Michalitsch. Fünf Sektoren der globalen Ökonomie "Ich denke, dass wir hier die Herrschaft des Nordwestens über den Süden personifiziert haben", interpretierte Michalitsch den Fall Strauss-Kahn. Gleichzeitig greife dieser aber auch die Problematik des Ungleichgewichts im Verhältnis der Geschlechter auf, welcher der Weltwirtschaft nach wie vor eingeschrieben sei. Die globale Ökonomie sei, so die Politikwissenschaftlerin und Ökonomin, in fünf Sektoren strukturiert. Dabei bilde der Finanzmarkt, gefolgt von dem realen und profitorientierten Sektor der Kultur- und Leistungsproduktion, die Spitze. Darunter befänden sich die staatliche Dienstleistungsökonomie, der informelle Sektor und schließlich der unbezahlte Bereich der häuslichen Versorgungsarbeit. Während die Spitzenbereiche stark maskulin dominiert seien, fände sich am unteren Ende der Hierarchie das verkehrte Bild. Diese Sektoren seinen stark feminisiert. Besonders problematisch sei daran, dass nur die ersten drei Sektoren als Ökonomien anerkannt und damit sichtbar seien. Der informelle oder unbezahlte, weiblich dominierte Sektor hingegen sei "allgemein nicht Gegenstand ökonomischen Denkens in unserer Tradition", meinte Michalitsch, die hier dringenden Handlungsbedarf sieht. Folie eines globalen Ausbeutungssystems Auch die Ökonomin Karin Schönpflug spann die Affäre über die Überlegung "Alter, Macht, geiler Typ, wieder mal das falsche gemacht" hinaus weiter. Der Fall sei vor der Folie eines globalen Ausbeutungssystems zu verstehen. "Diese wenigen Frauen, die es im Nahverhältnis erwischt, auf die schaut man halt mehr", so Schönpflug. Tatsächlich seien aber Millionen Frauen von Ausbeutung verschiedenster Art betroffen. Dass der Skandal aber mehr bewege und interessiere, sei menschlich. "Weil diese Millionen Frauen, die sieht man nicht", erinnerte Schönpflug. Die Kommunikationswissenschafterin Brigitte Geiger zeigte im Fall Strauss-Kahn auch eine positive Dimension auf. Die rasche Verhaftung und Aklage Strauss-Kahns weise darauf hin, dass die feministischen Bemühungen der vergangenen Jahre auf fruchtbaren Boden gefallen seien: "Das heißt, es hat sich was verändert, auch institutionell." Sexueller Missbrauch sei nicht mehr so leicht zu bagatellisieren, schlussfolgerte Geiger. Die Frage, wie mit der medialen Berichterstattung, mit dem Aufwerfen von immer neuen Nebenschauplätze in der Affäre Strauss-Kahn, umzugehen sei, zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Genauso wie die kursierenden Verschwörungstheorien sei auch die Debatte über sexuell Handlungsspielräume nur schwer einzuordnen. Angesichts dieser Komplexität sei hier nicht verwunderlich,"dass man lieber auf den Kasperl aus der Kiste schaut", schloss die Ökonomin Schönpflug die Diskussionsrunde. (APA) Quelle: http://diestandard.at/1308186257466/Strauss-Kahn-Affaere-Alter-Macht-geiler-Typ
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