Verhaltenskodizes für Multinationale Unternehmen

CoC – Eine Informations- und Mobilisierungskampagne für MultiplikatorInnen unter besonderer Berücksichtigung der Süd- und Frauenperspektive

Im Folgenden stellen wir unser im Mai 2003 anlaufendes Projekt "CoC" vor:

Im Kontext der wirtschaftlichen Globalisierung haben Multinationale Unternehmen in den zurückliegenden Jahren unter der Maxime der Kostenreduzierung ihre Produktion zunehmend in Niedriglohnländer der Dritten Welt ausgelagert. Die Arbeitsbedingungen bei diesen Zulieferbetrieben entsprechen häufig weder der nationalen Gesetzgebung noch den internationalen Standards, wie sie u.a. in den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) festgelegt sind. Die Löhne reichen nicht für ein menschenwürdiges Leben der Arbeiterinnen und ihrer Familien. Geschlechtsspezifische Diskriminierung durch ihre männlichen Vorgesetzten sind an der Tagesordnung.

Vor diesem Hintergrund und in Zusammenhang mit der internationalen Diskussion über die soziale Verantwortung der Unternehmen (Corporate Social Responsibility) bekamen die diversen Verhaltenskodizes für Multinationale Unternehmen eine zentrale Bedeutung.

Aus der Sicht von Süd-NGOs gilt es folgende Defizite in der Debatte um Verhaltenskodizes zu thematisieren:

1) Es sollten existenzsichernde Löhne in die Verhaltenskodizes aufgenommen werden. Die derzeit in den meisten Zulieferländern gezahlten Löhne ermöglichen kein Leben über der Armutsgrenze und führen zu massiven, gesundheitsgefährdenden Überstunden.

2) Frauenspezifische Probleme sollten in den Verhaltenskodizes und insbesondere bei deren Kontrolle stärkere Berücksichtigung finden. Hygiene-, Gesundheits- und umfassende Arbeitsplatzsicherheit, aber auch Diskriminierung bezüglich Schwangerschaft stehen hier im Mittelpunkt.

3) Das Recht auf Organisationsfreiheit darf nicht nur in den Kodizes abstrakt genannt werden, sondern sollte über das Monitoring konkrete Unterstützung erfahren. Das faktische Verbot von gewerkschaftlicher Organisierung trotz formaler Garantien stellt das vielleicht größte Problem für die Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Arbeitsrechte dar.

4) Die Reichweite der Kodizes darf nicht nur auf die direkten Zulieferer beschränkt bleiben, sondern sollte die Sub- und Sub-Sub-Lieferanten, bis hin zur Heimarbeit, einbeziehen. Der zunehmenden Tendenz in verschiedenen Branchen, die Produktion von relativ leicht kontrollierbaren direkten Zulieferern in Unteraufträgen bis hin zur Heimarbeit mit deutlich schlechteren Arbeits- und Lohnbedingungen zu verlagern, soll so begegnet werden.

5) Das Monitoring und die Verifizierung sollten unabhängig, unter Beteiligung lokaler NGOs und Gewerkschaften, stattfinden. Dadurch kann nicht nur mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit gewährleistet werden, sondern erst die Beteiligung lokaler Stakeholder ermöglicht eine effektive Kontrolle unter vertrauensvollem Einbezug der Beschäftigten.

6) Es bedarf mittelfristig verbindlicher internationaler Regelungen, um eine umfassende, da Verhaltenskodizes langfristig kein Ersatz für nationale, europäische und internationale Rechtsvorschriften und verbindliche Regelungen sein können.

Ziel der aktuellen Kampagne

Ziel der Kampagne der Frauensolidarität sind nachhaltig verbesserte soziale Mindeststandards bei den Zulieferbetrieben europäischer Unternehmen in Entwicklungsländern mittels effektiver Verhaltenskodizes. Konkrete Maßnahmen sind die Organisation einer Informationsreise nach Indien, die Produktion eines Videos und eines Kalenders sowie die Durchführung einer Plakataktion. Durch die Informierung und Mobilisierung von MultiplikatorInnen im Bildungswesen, in Gemeinden, in Frauen- und EZA-Gruppen sowie Medien soll eine breite Öffentlichkeit sensibilisiert und aktiviert werden, sich gegenüber Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern für konkrete Verbesserungen von Verhaltenskodizes einzusetzen.

1. Organisationsfreiheit in den Zulieferbetrieben wird im Rahmen des Monitorings garantiert.

2. Frauenspezifische Bedürfnisse finden im Prozess der Umsetzung der Kodizes Berücksichtigung - in Bezug auf Anti-Diskriminierung, Gesundheitsschutz und umfassender Arbeitsplatzsicherheit.

3. Existenzsichernde Löhne (living wages) werden im Kodex explizit garantiert.

4. Sublieferanten, bis hin zur Heimarbeit, sind im Geltungsbereich des Kodex eingeschlossen.

5. Unabhängige Kontrollen (Monitoring und Verifizierung) unter Beteiligung lokaler Akteure werden in institutionalisierter Form im multi-stakeholder-approach durchgeführt.

Ein weiteres Ziel ist die Schaffung auf nationaler und EU-Ebene eines verbindlichen, institutionellen Rahmen zur nachhaltigen Umsetzung und Verbreitung eines einheitlichen und umfassenden Kodex.

Die aktuelle Kampagne ist eine Weiterführung der Anliegen der Clean Clothes Kampagne und anderer Produktkampagnen wie Transfair oder Blumenkampagne, allerdings nicht auf eine Branche beschränkt.

Projektträgerin in Österreich: Frauensolidarität, Berggasse 7, 1090 Wien, Tel. 317 40 20-0; Fax: 317 40 20-355 mail: coc@frauensolidaritaet.org

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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